Chapeau vor der Dramaturgie dieser Aufführung. Die Wiener Symphoniker gestalteten unter der Leitung von Constantinos Carydis am Montag im Konzerthaus einen Abend, der sich stark abhob von üblichen Konzertveranstaltungen, betreffend Stückauswahl, Ablauf, Aufwand und Atmosphäre.

Zu Beginn Charilaos Perpessas’ "Christus Symphony": Komponist und Werk sind eine Entdeckung. Der 1907 in Deutschland geborene Sohn griechischer Kaufleute war kurzzeitig ein Schüler Arnold Schönbergs, doch seine Werke stehen der Dodekaphonik fern. Die 1950 uraufgeführte "Christus Symphony" ist ein groß besetztes 30-minütiges Stilpotpourri mit sechs Sätzen, die stark an Wagner, Strauss, Mahler und auch Hollywoodkino denken lassen.

Nach der Pause vier nahtlos ineinander übergehende Werke, beginnend mit Anton Bruckners Graduale "Virga Jesse floruit". Eine verblüffend stimmige Hinführung zu Schönbergs Melodram "Ein Überlebender aus Warschau". Thomas Quasthoff rezitierte den vom Komponisten verfassten Text mit einer kunstvollen Balance aus Empathie und Distanz. Leonard Bernsteins darauffolgende "Chichester Psalms" hatten ihre stärkste Wirkung im zweiten Satz, Psalm 23, zart und entrückt intoniert von einem Wiener Sängerknaben. Gekonnt vollzog die Wiener Singakademie die vielen Stimmungswechsel, ehe sich bei abgedunkeltem Licht Charles Ives‘ sphärisches Tonbild "The Unanswered Question" im Saal ausbreitete. Lang anhaltender Applaus für alle Beteiligten nach einem vielstimmigen und vielsagenden Abend.