Exakt am 125. Todestag von Johannes Brahms stand sein "Deutsches Requiem" im Wiener Musikverein auf dem Programm, interpretiert von einem famosen Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Jener Chor hatte im Dezember 1867 die ersten drei Sätze des Werks unter der Leitung von Johann von Herbeck erstmals präsentiert. Die endgültige sieben Teile umfassende Version wurde zwei Jahre später unter Carl Reinecke im Leipziger Gewandhaus zur Uraufführung gebracht. Dieses "Deutsche Requiem" ist keine Totenmesse im Sinne der katholischen Kirche. Brahms ließ hergebrachte Normen hinter sich, wählte selbst Bibelworte und stellte diese in freier Anordnung zusammen. Gedanken rund um Trost und die Überwindung des Todes gehüllt in klangliche Schönheit.

Johannes Prinz fungiert seit mehr als 30 Jahren höchst erfolgreich als Chordirektor des Singvereins. Bei ihm studierte in Graz Mirga Gražinyte-Tyla, der der Wiener Musikverein in dieser Spielzeit eine Porträtreihe widmet.

Seit 2016 ist sie die Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra, welches sich am Sonntag sehr gut schlug. Der Fokus lag klar auf den Damen und Herren des Singvereins. Differenzierte Lautstärkenabstufungen von zart bis imposant, butterweiche Einsätze, vorbildliche Textverständlichkeit: eine fabelhafte Chorleistung, welche die Dirigentin Mirga GražinyteTyla mithilfe glasklarer Zeichengebung und ihrer schwebenden linken Hand zu formen und zu führen verstand.