Nach einem vernichtenden Artikel in der "Prawda" sah sich Dmitri Schostakowitsch gezwungen, seine kompositorischen Ideen hintanzustellen und den Vorgaben des Stalin-Regimes zu folgen. Es entstand die Fünfte Symphonie. An der Oberfläche den Forderungen der politischen Führung entsprechend, in der Tiefe jedoch unmissverständlich klar positioniert.

Am Montag erlebte das Publikum im Wiener Konzerthaus eine mitreißende Aufführung des Werkes durch das SWR Symphonieorchester unter der Leitung von Teodor Currentzis. Eine packende Achterbahn der Gefühle, mit dem Largo-Satz als beinahe unwirklich anmutendem emotionalen Zentrum. Das Orchester folgte den inspirierenden und aussagekräftigen Bewegungen von Currentzis durch alle Stimmungslagen. Ob treibende Motorik, beißende Schärfe oder introvertierte Klage.

Für einhellige Begeisterung hatte vor der Pause bereits Antoine Tamestit mit dem für ihn geschriebenen Konzert des Deutschen Jörg Widmann gesorgt. Ein fantastisches Werk, in welchem der französische Bratschist einem Pan gleich durch die Orchesterreihen streift und mit einzelnen Mitgliedern Kontakt aufnimmt. Spannend, witzig, klanglich wie spieltechnisch hochinteressant und grandios konzipiert.

Als Zugabe präsentierte der Musiker ein ukrainisches Wiegenlied aus dem eine Sarabande von Johann Sebastian Bach erwuchs. Ergreifend. Begonnen hatte der Abend mit dem hypnotisierenden Werk "Glossolalie" des ukrainischen Komponisten Alexander Shchetynsky, einem langjährigen Freund von Teodor Currentzis. Einschlafen war schwer nach diesem aufregenden Konzerterlebnis.