"Ferne, ferne, ferne sang eine Nachtigall" oder vielmehr Jonas Kaufmann, der mit seiner Interpretation von Johannes Brahms "In Waldeinsamkeit" mehr Nähe entlockt als es sich der Erzähler im Gedicht erwarten würde. Am Mittwochabend erzählen die Liebeslieder von Brahms und Robert Schumann von der Eintracht und dem Verfehlen der Liebenden. Kaufmann und Diana Damrau verkörpern diese: Er singt ein Lied, dann sie, erneut er, wieder sie, mal winden sich Kaufmann und Damrau – auch körperlich – umeinander, dann treten sie auf Abstand zueinander in Dialog und schmachten bis zur letzten Zugabe.

Neckische Töne

Bevor der Fluss der Liebe das Publikum des Goldenen Saals im Musikverein mit Seufzern ertränkt, zieht erst die Pause vorüber. Während die Blicke Kaufmanns im ersten Teil starr gerichtet und die Hände geballt zu Fäusten sind, ist die Spannung im zweiten Teil gelöst. Er agiert freier, freudiger und stimmlich in den tiefen wie auch hohen Lagen sanfter. Diana Damrau spielt und singt neckisch höchste Töne, bei denen der Schmerz von Beginn an im gesamten Raum mitschwingt. Fabulös ist ihre Aussprache hingegen nicht. Dabei präsentieren ihre Kleider die Stimmung der beiden Teile; das erste mit Blutrot auf Schwarz strahlt Wärme aus und spiegelt sich im erleuchteten Saal wie Kaminknistern wider. Auf dem weißen Kleid glitzern silberne Applikationen keck wie die Himmelskörper in Schuhmanns "Mein schöner Stern".

Zu Helmut Deutsch und der wahren Liebe der Klaviermusik sei gesagt: Wann spielt er endlich einen Soloabend?