Harrison Birtwistle, der Schöpfer einer avancierten Musik, die keiner Schule angehört, und der als einer der größten zeitgenössischen Komponisten Großbritanniens galt, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Birtwistles Verleger Boosey & Hawkes teilte mit, dass er am Montag in seinem Haus in Mere, Südwestengland, gestorben ist. Die Todesursache wurde nicht genannt.

Birtwistles Kompositionen, die von Kammermusikstücken bis hin zu großen Opern reichen, wurden unter anderem an der Royal Opera House, der English National Opera, der Deutschen Staatsoper in Berlin, den Salzburger Festspielen oder auch an der Wiener Kammeroper, den BBC Proms in London und dem Chicago Symphony Orchestra aufgeführt.

Der am 15. Juli 1934 in der nordostenglischen Grafschaft Lancashire geborene Birtwistle begann im Alter von elf Jahren mit dem Komponieren. Er studierte unter Richard Hall am Royal Manchester College of Music Klarinette und Komposition. Zusammen mit Studienkollegen, darunter Peter Maxwell Davies und Alexander Goehr, gründete er die Manchester New Music Group, die an die Schönberg-Webern-Tradition anknüpfte und die englische Musik in die Moderne führte. Birtwistles Musik, die wenig konventionelle Harmonie und viel komplexe Rhythmik enthält, wurde oft als schroff, ja sogar aggressiv, beschrieben. Dagegen wehrt er sich zeitlebens mit Nachdruck. Vom Publikum erhofft sich der Komponist, dass es seine Musik ebenso versteht und erlebt wie er. "Für mich ist Musik generell faszinierend und mysteriös, ein großer Teil allerdings auch sehr langweilig. Doch komponiere ich nicht, um damit die Probleme anderer zu lösen", sagte er einmal.

Zu seinen wichtigsten Werken zählten etwa die Opern "Punch and Judy" (ein Auftragswerk Benjamin Brittens), "The Mask of Orpheus", "Sir Gawain and the Green Knight", sein Orchesterstück "Triumph of Time" oder das Kammerorchesterstück "Silbury Air".

In einem Gespräch mit "WZ"-Redakteur Edwin Baumgartner sagte er einmal: "Meine Musik ist wie Schafe auf der Weide. Es sind einzelne Punkte, aus denen ein Gesamtbild entsteht, das seine eigene Logik hat."