30 Jahre nach ihrem Debüt bei der Gesellschaft der Musikfreunde steht die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli erneut mit dem Pianisten András Schiff auf der Bühne des Goldenen Saals. Und abermals steht die Kantate "Arianna a Naxos" von Joseph Haydn auf dem Programm, zudem verschiedene Lieder von Franz Schubert und Stücke von Gioacchino Rossini.

Ob die beiden einander seinerzeit genauso viel Herzlichkeit und Einfühlvermögen schenkten, wie es am vergangenen Sonntagnachmittag spürbar wurde, bleibt offen. Fakt ist, an Taschentüchern zum Fangen der Tränen durfte im Publikum nicht gespart werden. Zumal Schiff mit jeder Note eine neue Fährte innerhalb der Melodien aufnimmt, die er zu einer Gesamtheit vereint. Das unbeschreiblich schöne Timbre Bartolis und ihr feines Gespür dafür, Charakteren Stimme zu verleihen, lassen selbst nicht italienischsprachige Zuhörer fühlen, dass Haydns Teseo die Klippen hinunterstürzen wird und die Zuseherin Arianna voll Schmerz zurückbleibt.

Für den nötigen Witz sorgt Schiff am Mikrofon: Er lässt der Sängerin im durchgehenden, zweistündigen Programm Zeit zum Verschnaufen und spielt Solostücke von Brahms, Mendelssohn Bartholdy und Mozart, dessen c-Moll-Fantasie er mit den Worten "wie ‚Don Giovanni‘ in sieben Minuten. Zum Glück ohne Regie!" ankündigt.

Mit Kastagnetten-Geklacker

Bartoli wird am Ende als Perkussionistin für Schmunzler sorgen: Sie überzeugt in Rossinis "Canzonetta spagnuola" landesgemäß mit Kastagnetten und in "La danza" mit dem Tamburin. Im Zugabenteil bringt Bartoli ihre gewaltigen Koloraturen noch einmal zum Leuchten und Schiff die brillanten Höhen seines bezaubernd intonierten Mahagoni-Flügels.