Daniel Hope hat ein Gespür für Themen mit Zugkraft. Der Geiger mit den irisch-deutschen Wurzeln nimmt nur selten ein Album herkömmlicher Machart auf. Statt sich im Tonstudio auf einen Komponisten zu konzentrieren, ersinnt er lieber schillernde Konzepte - etwa eine Hommage an die Belle époque oder einen Tribut an das Amerika des frühen 20. Jahrhundert samt Schlenkern in den Jazz. Hope, nebenberuflich auch Autor und Moderator, ist in seinem Wirken vor allem eines: ein leidenschaftlicher Kommunikator. Einer, der die Menschen erreichen will und ihnen dabei gern ein gutes Stück entgegenkommt - wofür er sich auch auf Crossover-Gelände begibt und so manchen schlichten Ohrwurm mit seinem Geigenton adelt.

Nun wagt sich der 48-Jährige wieder über den Tellerrand des Klassikrepertoires, die düstere Weltlage gibt ihm dazu Anlass: Hope hat gemeinsam mit dem befreundeten Pianisten Alexey Botvinov aus Odessa ukrainische Musik eingespielt und diese auf dem schnellsten Wege, also digital, herausgebracht: "Music for Ukraine" heißt das Album, kommt ausschließlich karitativen Zwecken zugute und verspricht dem Publikum natürlich auch einen musikalischen Mehrwert. Hand aufs Herz: Wer kannte vor dem Krieg schon Komponisten aus der Ukraine?

Daniel Hope, Alexey Botvinov Music for Ukraine (DG)
Daniel Hope, Alexey Botvinov Music for Ukraine (DG)

So großherzig das Projekt gedacht ist: Künstlerisch macht es nicht jeden glücklich, zumindest nicht Menschen, die auf eine Neuland-Entdeckung hoffen. Hope hat fast ausschließlich Musik westlicher Prägung ohne Ecken und Kanten gewählt; ja, das meiste davon tönt so gefällig, dass es sich problemlos in den Klanghintergrund einer beliebigen TV-Serie aus L.A., Paris oder Oslo einpassen ließe.

phil Blech Wien, Olivier Latry Live from Vienna (DG)
phil Blech Wien, Olivier Latry Live from Vienna (DG)

Das soll nicht heißen, dass die Musik der Zeitgenossen Myroslav Skoryk, Jan Freidlin und Valentin Silvestrov nicht ihre Qualitäten hätte. Nur: Es rutschen einem diese Melodien sehr glatt durch die Gehörgänge. Ausnahme: Freidlins Klavierstück "Stars in the Lake", das zwischen einer versonnenen Atonalität und einem freundlichen Debussy-Tonfall pendelt und wohl darum am Ende der Werkliste gelandet ist.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Aber vielleicht sollte man die Stückwahl ja weniger künstlerisch beurteilen als aus der Warte des Fundraisings. Und in diesem Licht hat die gefällige Ausrichtung durchaus ihren Sinn - schon deshalb, weil im Streaming-Zeitalter für jeden Klick auf einen "Track" lediglich Mikro-Beträge fließen. Und wer weiß: Vielleicht schafft es die eine oder andere sanfte Melodie tatsächlich zu einer tantiemenreichen Verwendung in Funk und Fernsehen.

Ein markanter Sound zeichnet das Ensemble phil Blech aus. Das heimische Blechbläser-Team versteht sich als Advokat eines wienerischen Klangbilds: Weich, warm und homogen statt stechend und gleißend. 2019 ist der Trupp eine wohl einzigartige Verbindung eingegangen: Gemeinsam mit dem Organisten Olivier Latry erarbeitete man ein Programm vom Barock bis zur Romantik und brachte es mit schillernden Arrangements zum Leuchten. Ab nächster Woche liegt davon nun ein Mitschnitt vor, und dann wagen sich Latry und die Bläser auch an die nächste gemeinsame Herausforderung: Am 18. Mai bringen sie im Konzerthaus Gerd Hermann Ortlers "Urknall" zur Premiere.