Am zweiten Abend seines Doppelgastspiels im Wiener Konzerthaus hätte Met-Maestro und frischgebackener Grammy-Gewinner Yannick Nézet-Séguin mit dem überaus renommierten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zwei intensive Geschichten erzählen können: die einer romantischen Verschmelzung, erdacht durch Robert Schumann, und eine Heldensaga, komponiert von Richard Strauss. Beides misslang.

Schumanns Opus 54 gilt als das Klavierkonzert der Romantik schlechthin. Solistin Beatrice Rana, mit sechs CD-Einspielungen schon länger über den Status des Talents hinaus, schritt sinnlich und behutsam in den Kopfsatz, hier noch butterweich begleitet von den BR-Symphonikern. Doch war es das dann schon mit der eigentlich das gesamte Werk durchziehenden Koexistenz auf Augenhöhe von Orchester und Soloparts. Zunehmend kraftstrotzend ließ Nézet-Séguin seinen Klangkörper agieren, Ranas immer isolierter wirkendes Spiel verlor an Kontur und blieb bei aller technischen Brillanz der Italienerin meist nur mehr ausdrucksarmes Stückwerk.

In Strauss’ Tondichtung "Ein Heldenleben" ließ der Kanadier nach der Pause vom Pult aus nun alle Dynamik-Dämme brechen - weiterhin ohne großen Fokus auf Akzentuierung und Nuancierung, hier ab der brachialen Vorstellung des "Helden". Hastig wurde der Gegenspieler gezeichnet, der Violine als Gefährtin des Helden Süßlich-Verführerisches verweigert, einzig das Schlachtengedonner geriet konsistent, weil überwältigend und lärmend laut. Schade.