Für gewöhnlich kocht jeder sein eigenes Süppchen, die Zutaten sind in einer klaren Brühe deutlich erkennbar. Gibt man Schlagobers dazu, wird das Ganze jedoch heikler. Ungefähr so verhielt es sich mit Franz Schuberts "Gasteiner Sonate" zu Beginn des Klavierabends mit Arcadi Volodos im Wiener Konzerthaus am Dienstag. War es das rechte Pedal, das die Komposition zu einem Einheitsbrei machte, oder die Stimmung des Klaviers an sich? Für die Pedal-These sprach, dass Volodos’ rechter Fuß tatsächlich vermehrt dort zu finden war. Für die andere Erklärung, dass sich der gedämpfte Klang nach einem Besuch des Klavierstimmers in der Pause verzog und die tönenden Zutaten danach klarer hervortreten.

Feine Nuancen bei Schumann

Umso mehr verzaubern dann die feinen Nuancen in den Werken Robert Schumanns Satz für Satz. Nicht zuletzt für die Akzente in "Hasche-Mann" aus den "Kinderszenen" op. 15 hat sich das Nachstimmen gelohnt. Höhere Sphären eröffnen die "Träumerei" und "Fast zu ernst". Ausgezeichnet die Fantasie in C-Dur op. 17: Schnelligkeit ohne Hetze, mitunter auch ein Zeitlupeneffekt statt sturem Metronom-Spiel, auch wenn das Klavier noch einmal mit dem üppigen Schlagobersklang einer schwingenden Basssaite irritiert. Abschließend würzen noch einige Zugaben den Festschmaus, darunter Musik von Skrjabin, Mompou und vom Russen Anatol Liadov. Volodos zeigt sich beim Applaus dankbar mit Hand auf der Brust.