Alle sieben Sibelius-Symphonien an drei aufeinander folgenden Abenden - das kann zu Recht als musikalischer Marathon gelten. Der Dirigent Klaus Mäkelä, gerade einmal 26 Jahre alt, meistert ihn beim Gastspiel seiner Oslo Philharmonic im Konzerthaus eindrucksvoll.

Im Mittelteil der Auftrittstrilogie widmet sich Mäkelä den Symphonien Nummer vier und zwei. Dabei lässt er schon im Kopfsatz der Vierten aufscheinen, was als (interpretatorisches) Konzept alles durchziehen würde: Eine überaus dichte, spannungsgeladene Atmosphäre, der Finne ergründet die Partitur seines Landsmanns behutsam, lauernd, konzentriert und klar, dabei stets der Versuchung widerstehend, auf Fortegipfeln billig aufzutrumpfen. Letzteres so konsequent, dass eine kleine Prise mehr Loslassen zuträglich gewesen wäre. Nach den ersten beiden Sätzen dann eine ungewöhnlich lange Pause, als wolle Mäkelä sich, seine Musiker, sein Publikum wieder auf Null kalibrieren, das gerade Erlebte löschen, um volle Aufmerksamkeit für das Largo zu schaffen, in dem er eine dunkle Bedrohung aus der Tiefe kommend hinauf zu einer schweren Wolke formt, deren Entladung endlich die durchbrechenden Sonnenstrahlen folgen. Ganz schön gut.

Nach der Pause die Zweite: Sonor und voller Selbstbewusstsein begonnen, kann sie die lichte Transparenz nicht mehr immer aufbieten. Dafür nimmt Mäkelä die Zügel etwas länger, die so gewonnene Dynamik treibt selbst das Lento ungeduldig flirrend nach vorne. Die Tondichtung und heimliche Hymne "Finlandia" schließlich als umjubelte Zugabe.