Die Fülle an wahren Köstlichkeiten liegt am Mittwochabend in der Tiefe: Von Bratschen über Celli bis Kontrabass, Blech und vor allem Pauke besticht die Klarheit des Gewandhausorchester Leipzig im Wiener Musikverein. Unter der Leitung von Andris Nelsons sind drei Werke von Richard Strauss zu hören. Am Flügel gastiert kein Unbekannter: Rudolf Buchbinder gibt die "Burleske für Klavier und Orchester" zum Besten. Golden der Saal - golden die Mitte: Buchbinders freudiges und kommunikatives Spiel, das durch seine Lippen betont wird, dient sowohl dem Publikum als auch den einzelnen Orchestermusikern, insbesondere dem Paukisten Tom Greenleaves. Flirtend umschlingen und lösen sich ihre Quasi-Duette. Buchbinder entlockt dem Stück seine Feinheiten und Greenleaves seiner Pauke traumhaft exakte Tonhöhen.

Ebenso harmonisch berührt zeigt sich Nelsons bei "Also sprach Zarathustra". Gewohnt lässig wie konzentriert führt er das Orchester durch das Stimmgeflecht, das er auch zeitlich auskostet. Die Virtuosität des Konzertmeisters Sebastian Breuninger, zeigt sich freilich mehr in den enthusiastischen Bewegungen seines Oberkörpers als in einem konstant wohligen Klang. Überhaupt scheinen die hohen Stimmgruppen etwas Aufholbedarf zu haben, was die Bedachtsamkeit auf Phrasen betrifft. Sie ziehen kaum bis zum letzten Ton durch und schwächeln davor. Daher überzeugt der sekundenlange Nachhall in der Generalpause des "Don Juan" umso mehr.