Das vielleicht packendste Drama des Theatersommers 2021 ereignete sich auf der Bühne von Mörbisch – allerdings schon unmittelbar vor Spielbeginn: Peter Edelmann, Gerade-noch-Prinzipal, eröffnete den Premierenabend mit einer Brandrede zugunsten der klassischen Operette und wider eine Kulturpolitik, die ihn zugunsten von Alfons Haider abgesägt hatte. Als er schließlich sein beinahe rauchendes Mikrofon an den anwesenden Nachfolger auf der Bühne übergab, staunte dieser nicht schlecht – entschärfte die Situation aber mit einem Wechsel in eine professionell-höfliche Tonart.

Auch der heurige Theatersommer birgt Spannung in Mörbisch. Immerhin geht Haider, der Vertrauensmann von Landeschef Hans Peter Doskozil, mit seiner ersten Premiere an den Start und läutet damit einen Paradigmenwechsel ein: Das bisherige Operettenmekka soll zum Kompetenzzentrum des Musicals mutieren. Begonnen wird dies mit einem Stück, das Haider als Bühnendarsteller vertraut ist wie kein zweites, auch aus seinem früheren Intendantenleben in Stockerau: "Der König und ich". Ob die Rodgers-und-Hammerstein-Romanze im Burgenland verfängt, wird sich weisen. Haider überlässt die Hauptrolle jedenfalls dem gebürtigen Amsterdamer Kok Hwa-Lie, legt die Regie in die Hände des Schweizers Simon Eichenberger und hat für das Bühnenbild den Mörbisch-Routinier Walter Vogelweider gewonnen – der für die Produktion (Premiere am 14. Juli) den "höchsten Turm" zimmern will, den die Seebühne jemals hatte.

Wer opulente Schauwerte sucht, ist freilich auch im Römersteinbruch von St. Margarethen gut aufgehoben. Dort hat Daniel Serafin, der Sohn der Operettenlegende Harald, seit drei Jahren den Titel des künstlerischen Direktors inne und präsentiert heuer den Inbegriff der opulenten Oper, nämlich Giuseppe Verdis "Nabucco" (ab 13. Juli). Unter der Regie von Francisco Negrin werden sich die felsigen Weiten also in eine Konfliktzone für Babylonier und Israeliten verwandeln und dabei nicht zuletzt mit dem legendären "Gefangenenchor" beschallt.

Schwindsüchtig im Stift

Die Operklosterneuburg garantiert seit jeher einen edlen Blickfang: Das Festival mit der sperrigen Schreibweise residiert im Kaiserhof des niederösterreichischen Stifts und steht seit mehr als 20 Jahren unter der Leitung von Michael Garschall. Der bespielt das Gelände heuer mit der unverwüstlichen "Bohème" (ab 9. Juli) und hat Francois de Carpentries mit der Regie des Schwindsucht-Liebesdramas betraut.

Einen anderen Opernreißer verschlägt es in diesem Sommer in die Burgruine von Gars: "Das Opernhaus des Waldviertels" (Selbstbeschreibung) widmet sich ab 14. Juli Georges Bizets Wildfang "Carmen", in Szene gesetzt von Dominik Wilgenbus und dirigiert von Intendant Johannes Wildner.

Intendant und Autor Peter Hofbauer setzt in Weitra erneut auf eine Komödie aus der Operettenwelt: "Wiener Blut" von Johann Strauß ab 8. Juli. 
- © Mark Glassner

Intendant und Autor Peter Hofbauer setzt in Weitra erneut auf eine Komödie aus der Operettenwelt: "Wiener Blut" von Johann Strauß ab 8. Juli.

- © Mark Glassner

In Niederösterreich setzen freilich auch Operettenfestivals auf zugkräftige Titel: So lockt das Schloss Weitra ab 8. Juli mit "Wiener Blut" von Johann Strauß, bearbeitet von Intendant Peter Hofbauer mit Publikumsliebling Joesi Prokopetz auf der Bühne. Die Operette Langenlois wiederum, geleitet vom Genre-Spezialisten Christoph Wagner-Trenkwitz, gibt ab 21. Juli den "Opernball" von Richard Heuberger und hat dafür auch Kräfte der Wiener Volksoper gewonnen, darunter Dirigent Gerrit Prießnitz.

Freunde des künstlerischen Experiments könnten dagegen in der Stadtpfarrkirche von Retz auf ihre Kosten kommen: Ab 7. Juni ertönt dort Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" in einer ungewohnten Darreichungsform, nämlich in einer Inszenierung von Monika Steiner, den Taktstock führt Andreas Schüller.

Und freilich werden im Sommer auch Musicalfans bedient: Auf der Felsenbühne Staatz schlüpft Stella Jones in Whoopie Goldbergs Paraderolle in "Sister Act" (ab 22. Juli); die Gemeinde Amstetten setzt auf die Zugkraft eines pomadigen Filmklassikers mit John Travolta und lässt die Pölz-Halle unter den Songs von "Grease" erbeben (ab 20. Juli). Und nicht zu vergessen die Bühne Baden, die sich mit drei Premieren für die Ferienmonate rüstet: Auf den Komödienklassiker "Im weißen Rössl" (ab 17. Juni) folgt das Webber-Musical "Sunset Boulevard" (8. Juli) sowie die Operettenrarität "Kaiserin Josephine" (29. Juli).