Weiß, grau und feucht zieht der Nebel auf, bis sich die Sonne als funkelnde Kraft durchsetzt: Felix Mendelssohn Bartholdys "Schottische" Symphonie löst ihr musikalisches Wolkenmeer in einem Schönwetter auf, das am Montagabend mit dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins um die Wette strahlt. Unter fein abgestimmten Tempi sagt keine Stimmgruppe zu wenig oder zu viel.

All das vermag Dirigent Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden auszuloten. Millimeter für Millimeter schraubt er seinen Taktstock näher an das herrliche Orchester heran, in seinen Rückwärtsbewegungen scheint er die schönen Melodien aufzusaugen, und beim Leitthema geht er wiederkehrend in die Knie.

Mit Alexander Zemlinskys "Lyrischer Symphonie" geht es weiter der Sonne entgegen. Bariton Adrian Eröd besticht tadellos und mit stoischer Ruhe. Zwar mag man sich in den lautstarken Passagen einen wuchtigeren Bariton wünschen. Aber Eröd poltert nicht, er bleibt präzise und überlässt das Fortissimo Thielemann, der es auch immer wieder aufs Neue vom Orchester fordert. Richtig leise hingegen ist die Sopranistin Julia Kleiter, auch hapert es an einer verständlichen Aussprache sowie einer kontinuierlichen Strahlkraft.

Ein Abend in Höchstform

Bei der Fülle an Virtuosen in diesem Orchester - Flöte, Klarinette et cetera - traut man sich kaum einen hervorzuheben. Und doch: Konzertmeister Matthias Wollong beweist die feine, freie Tonalität von Zemlinskys Werk mit seinem Spiel besonders herausragend. Ein kurzweiliger Abend in musikalischer Höchstform.