Ein Programm, das sich wie eine Visitenkarte für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts liest: Ravel, Gershwin und Bartók. Eine Zeit des Umbruchs, in vielerlei Hinsicht. Allein die Stückauswahl lässt die Ohren spitzen. Dazu die Ausführenden: das Orchestre de Paris unter Manfred Honeck mit Kirill Gerstein. Der Pianist, geboren in Russland, kam als Teenager in die USA und absolvierte dort seine Ausbildung. Die Tür zum Jazz stand für den von Gary Burton beeinflussten Musiker stets weit offen. Er ist der ideale Interpret für Gershwins Klavierkonzert in F-Dur. Mit diesem Werk konnte der Komponist seinen lang gehegten Traum, sich in der Welt der Klassik zu etablieren, erfüllen. Gerstein spielte seinen Part mit Prägnanz, markig, ohne falsch verstandene Lässigkeit und eng im Kontakt mit dem Orchester. Die (anmoderierte!) Zugabe von Oscar Levant unterstrich das Verbundensein des Pianisten mit dem Instrument, seine Natürlichkeit und Souveränität.

Das Orchestre de Paris präsentierte sich betont selbstbewusst und mit sehr gut disponierter Bläserabteilung. Herrlich gestaltete Honeck zu Beginn des Abends im Konzerthaus Maurice Ravels "La Valse". Ob schummrig nebulös oder auffahrend schwungvoll, nie ging die Klarheit verloren. Die Zeichengebung des österreichischen Dirigenten, seit Jahren als Musikdirektor beim Pittsburgh Symphony Orchestra erfolgreich, ist eine eigene Klasse, die sich bei Béla Bartóks großartigem "Konzert für Orchester" bis in die kleinsten Gesten zeigte und die Gäste aus Paris hörbar animierte. Langanhaltender Applaus.