Wo ist er nur? Das neue Werk ist vom Stapel gelaufen, der Applaus angebrochen, doch Dirigentin Marin Alsop kann den Komponisten nirgends entdecken, weder an der linken Bühnentür noch an der rechten. Doch halt - da zeigt ein Mann in einer schwarzen Lederjacke im Saal auf, und wenig später schafft es dieser Georg Friedrich Haas doch noch auf die Bühne.

So ungelenk die Szene, so renommiert der Tonsetzer: Haas, Staatspreisträger, Professor an der Columbia University und Auftragnehmer prominenter Häuser, ist zu einem Aushängeschild der Neuen Musik avanciert. Nun hat der 68-Jährige auch dem Musikverein eine Partitur geliefert. Die Vorgabe: Der Kammerton A sollte darin eine Schlüsselrolle spielen. Immerhin war das Stück für das aktuelle Hausfestival "A!" bestellt worden, das um den Ton kreist und auch um dessen Schwankungsbreite in puncto Hertz-Zahl.

Eine reizvolle Aufgabe gerade für Haas, den Mann fürs Mikrotonale: Er lässt verschiedene A-Varianten als Sinustöne sirren und diese vom Orchester umschmiegen. Klangflächen, aus feinsten Notenkräuseln und Glissandi gewirkt, entwickeln eine jenseitige Leuchtkraft, düstere Soundwolken gemahnen dagegen an einen Horrorfilm. "ungefähr ganz genau", so der hintersinnige Titel, weist Haas abermals als einen Experten für Nuancen und raumgreifende Entwicklungen aus, trotz leichter Spannungsverluste hier und da.

Die mochten aber auch daher rühren, dass das RSO Wien rundum zwei lange Wuchtwerke John Adams’ rumoren und eine Klanggrübelei Bernd Alois Zimmermanns wispern ließ. Ein jedenfalls abwechslungsreicher Abend, euphorisch beklatscht.