Schon der Beginn dieses Abends unterstreicht seinen Ausnahmerang: Während die Mitglieder der Wiener Konzertvereinigung die Bühne betreten, will der Beifall im Mozartsaal schier gar nicht verstummen. Doch da gehen eben keine Berufsspieler zum Dienst, sondern Musikliebhaber unter den Blicken gewogener Gäste ihrem großen Auftritt entgegen. Alexander Pereira, Ex-Intendant des Konzerthauses, hat 1985 das Ensemble gegründet: Hier spielt das Publikum, mit einigen Profis als Unterstützung, gewissermaßen für sich selbst - nicht immer mit der letzten Präzision, aber mit so viel Hingabe und Herzblut, wie es sich ein Komponist nur wünschen kann.

Ein solcher fungiert auch als Chefdirigent: Tristan Schulze, Wahlwiener und wendiger Tonsetzer zwischen Film, TV, Oper und Konzertsaal, stellt den Klangkörper immer wieder in den Dienst seiner erfrischenden Freistilwerke. Ein solches eröffnet den Abend bereits unter dem Titel "From Vienna With Love": Während die Streicher die Emphase eines Mahler-Adagios verbreiten, schichtet der Vibrafonist Flip Philipp darüber improvisierte Swinggirlanden. Schulzes Konzert für Orchester und zwei Pianisten an einem Flügel strawanzt dann überhaupt durch alle Stilgassen: Begonnen mit einem fast gregorianischen Unisono, sorgt ein Clave-Rhythmus am Kopfsatzende für Zwischenapplaus; im Mittelsatz schwelgt das virtuose Pianistenpaar Hyung-ki Joo und Yu Horiuchi nicht nur in süffigen Melodiesequenzen, sondern darf diese auch singen, und das Finale mäandert zwischen Klavierromantik, Piazzolla-Pfeffer, Tasten-Schabernack (mit Melodica!) und schließt mit einem hymnischen Kehraus. Bunter Balsam für die Seele.