Zubin Mehta (86), der noch am Samstagabend eine "Turandot" in Berlin dirigiert hatte, stand (beziehungsweise saß) schon Sonntagnachmittag wieder auf der Bühne des mittelvollen Wiener Musikvereins. Vor ihm sein Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, dessen Leitung Mehta 32 Jahre lang innehatte, und auf den Pulten Mozart, Mozart, Mozart. Die letzten drei, die "großen" Symphonie standen auf dem Programm: KV 543, KV 550, deren erster Satz vielleicht die ultimative musikalische Assoziation mit "Mozart" ist, und KV 551, das kunstvolle Finale eines Schaffens, dessen Finalsatz den von Bruckners Fünfter vorwegzunehmen scheint - alles im kunstvoll leichten Gewande der Wiener Klassik.

Warum nur fühlte ich mich so in meine Kindheit zurückversetzt? In der an die "Zauberflöte" erinnernden Einleitung der Symphonie 39 schnackelte es: Diese Symphonien, einst regelmäßiger Bestandteil des Konzertlebens der großen Orchester, werden immer seltener von nicht-historisch-informierten Klangkörpern gespielt. Und schon gar nicht en bloc.

Und hier musizierten Mehta und seine Musiker so seelenruhig und unbekümmert ihren Mozart, als wäre nichts gewesen: satt, unaufgeregt und vollmundig - gleichwohl spielerisch, locker und kapellmeisterlich souverän. Gemütlich und wunderschön, entspannt und warmherzig war diese Aufführung, gebadet im Abendrot einer unvergleichlichen Dirigentenkarriere, die vor 68 Jahren in Wien ihren Anfang genommen hatte. Eine Zeitreise für das lautstark-dankbare Publikum.