Strahlend blauer Himmel und warme Temperaturen, eine bessere Voraussetzung kann man sich als Veranstalter eines Open-Air-Konzertes eigentlich nicht wünschen. Dass dann noch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Intendanten Rudolf Buchbinder mit den Worten "Rudi, du bist der Beste!" ehrte, verlieh der Grafenegger Sommernachtsgala 2022 noch vor Beginn eine leutselige Festlichkeit.

Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich gab bei guter Stimmung mit drei Solisten und Chefdirigent Yutaka Sado freilufttaugliche Gustostückerln zum Besten, wobei die Programmwahl und Lichtregie die Grenze zum leichten Kitsch nicht scheute. Eröffnet wurde der von Teresa Vogl moderierte und für den ORF aufgezeichnete Abend mit der Ouvertüre zu Bernsteins Operette "Candide"; in der Folge setzte es Tänzerisches aus der Feder von Rossini und Gounod, bevor es schließlich mit Gershwin so richtig groovte.

Erwin Schrott angeschlagen, doch schalkhaft

Stimmlich angeschlagen, sang Bariton Erwin Schrott nur zwei Nummern. Nicht nehmen ließ er es sich allerdings, mit dem Publikum zu kokettieren und blätterte während Leporellos Registerarie durch ein Beauty-Magazin. Zum Schluss griff der Uruguayer mit "Bésame mucho" tief in die lateinamerikanische Schmalzkiste.

Marlis Petersen erwies sich mit einer Auswahl von Stücken von Richard Strauss bis zu Harold Arlens "Somewhere over the Rainbow" als äußerst wandlungsfähige Sängerin aller Genres und stellte ihre Freude an der Show auch durch mehrmalige Outfitwechsel zur Schau. Souverän, wenngleich zu Beginn noch etwas verhalten, steuerte auch die junge österreichische Trompeterin Selina Ott zwei Stücke bei. Ein fröhlicher Abend, den auch der gelegentliche Lärm von Motorrädern oder vorbeifliegenden Hubschraubern nicht stören konnte.