Auch noch nicht erlebt, dieses beharrliche Klatschen im kleinen Kreis: Während sich die Bühne fast geleert hat und die Menge aus dem Großen Salzburger Festspielhaus strömt, nimmt ein harter Kern den Beifall wieder auf, pascht rhythmisch in die Hände und klatscht sich so am Donnerstagabend an sein Ziel. Tatsächlich: Christian Thielemann lugt noch zweimal aus der Bühnentür, verbeugt sich und deutet dabei abermals höflich in Richtung Orchester - von dem zu diesem Zeitpunkt jedoch nur noch drei Musiker herumhocken. Ein skurriler, aber auch rührender Moment.

Die Ovationen hatten freilich Gründe. Wie in den Vorjahren garantiert Thielemanns Salzburg-Auftritt mit den Wiener Philharmonikern Qualitätsgipfel und beschert auch ein Wiedersehen mit Elina Garanča: In ein lindes Klangbild gehüllt und begleitet von Staatsopernchoristen, beschert ihr reicher Edelmezzo der "Alt-Rhapsodie" von Brahms eine Eindringlichkeit, die diese Rarität wohl eher selten verströmt.

Elina Garanca bei ihrem Auftritt mit den Wiener Philharmonikern im Salzburger Sommer 2021. - © Marco Borrelli
Elina Garanca bei ihrem Auftritt mit den Wiener Philharmonikern im Salzburger Sommer 2021. - © Marco Borrelli

Dass Thielemann und die Philharmoniker ein Dream-Team in Bruckner-Belangen bilden, bestätigt sich nun, gegen Ende des gemeinsamen Symphonien-Projekts, auch bei der Neunten. Gut: Dem Orchester fehlt am Donnerstag hie und da ein Millimeter Einsatzpräzision; dafür trübt (fast) kein Patzer den Blechglanz. Verblüffend aber vor allem die Verbindung von Monumentalem und Zartem auf zügigen Tempi: Wie sehr ein leichtes Absinken der Lautstärke Intimität befördern kann; wie zärtlich selbst im wuchtigen Forte das Klangbild modelliert wird. Jubel für Thielemann, gewissermaßen Bruckner-Chefdirigent der Philharmoniker.(irr)