Der griechisch-russische Stardirigent Teodor Currentzis hat ein neues Projekt namens "Utopia". Dabei handle es sich laut einer Aussendung nicht um ein Orchester im üblichen Sinne des Wortes, sondern "eine einzigartige kreative Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich der Suche nach dem besten Klang und dem wahren Geist des Musikwerkes verschrieben haben". An Bord sind zum Start 112 Musikerinnen und Musiker aus 28 Ländern. Im Oktober tritt er im Wiener Konzerthaus auf.

Die Idee, Solisten und Konzertmeister aus verschiedenen Orchestern in einem Ensemble zusammenzubringen, hegte Currentzis seit Jahren. "Das ist ein Versuch, sich von angesehenen Institutionen zu lösen, die große Verdienste haben, gleichzeitig aber auch zuweilen in einem international standardisierten Klang gefangen sind. Wir betreten ein eher experimentell geprägtes Feld, auf dem wir alle gemeinsam nach dem perfekten Klang suchen", erklärte Currentzis, der nicht nur für die Gründung, sondern auch künstlerische Leitung verantwortlich zeichnet. Man strebe danach, Kammeratmosphäre und Vertrautheit zu verkörpern - allerdings auf der Ebene eines großen Symphonieorchesters.

Zusammenspielen in Projekten

Die Musikerinnen und Musiker aus verschiedensten Ländern wie Armenien, Australien, China, Deutschland, Israel, Österreich, den USA, Russland oder auch der Ukraine kommen dafür projektbasiert zusammen. Die Zusammensetzung des Symphonieorchesters variiert je nach den von der Partitur vorgesehenen Instrumenten. Das Symphonieorchester-Projekt finanziert sich durch Einnahmen aus Veranstaltungen und wird von der Kunst und Kultur DM Privatstiftung sowie von mehreren europäischen Mäzenen unterstützt, hieß es in der Aussendung.

Die ersten Konzerte finden im Oktober in Musikzentren statt, die das Projekt unterstützt haben: in der Luxemburger Philharmonie, in der Laeiszhalle Hamburg und auch von 7. bis 9. Oktober im Wiener Konzerthaus. Auf dem Programm des ersten "Utopia"-Konzerts stehen Werke, die die kreativen Leitlinien der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts verkörpern sollen: Igor Strawinskys symphonische Suite "Der Feuervogel", wobei auf die selten aufgeführte Version aus 1945 gesetzt wird, sowie Maurice Ravels Suite Daphnis et Chloé Nr. 2 (1913) und die choreografische Dichtung für Orchester La Valse-Poème choréographique (1919-1920).

Das MusicAeterna-Orchester von Currentzis bleibt indes bestehen. Mit diesem geriet der Dirigent ins Zentrum einer vehementen Diskussion über den Bann russischer Künstler von westlichen Bühnen. Denn das in St. Petersburg beheimatete Orchester wird von der teilstaatlichen, kremlnahen VTB Bank finanziert, die seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine mit Sanktionen belegt ist. Currentzis äußerte sich bisher nicht explizit zu den Kriegshandlungen, meinte aber, dass ihm Demokratie viel bedeute. "Wenn wir die Ideen des anderen nicht akzeptieren, tappen wir in eine Falle und landen in einem anderen System. Und wir kennen dieses System sehr gut aus der Vergangenheit", sagte er in einem Interview mit ServusTV, das am 4. August ausgestrahlt wird.

Auch wollte er ein Benefizkonzert zugunsten notleidender Menschen in der Ukraine im Wiener Konzerthaus geben. Es wurde letztlich abgesagt, nachdem sich kritische Stimmen gehäuft hatten - darunter auch der ukrainische Botschafter in Österreich. Bei den Salzburger Festspielen genießt er Rückhalt von Intendant Markus Hinterhäuser und trat jüngst zum Start des Opernreigens auf. Das Publikum spendete ihm im Rahmen des Zweiteilers "Herzog Blaubarts Burg" und "De temporum fine comoedia" dezidiert Applaus. (apa)