44 Lieder - das hat kaum eine Rockband der Welt auf der Setlist, dort stehen vielleicht 30, 32. Wenn es hoch kommt. 44 Stücke aber umfasst das "Spanische Liederbuch" von Hugo Wolf, aufgeteilt in zehn geistliche und 34 weltliche Solo-Nummern. Sie alle teilten sich Christian Gerhaher und Julia Kleiter bei den Salzburger Festspielen im Haus für Mozart auf. Am Klavier begleitet werden sie während ihres - für einen Liederabend - Mammutauftritts von über zweieinhalb Stunden (inklusive zweier Pausen) von Ammiel Bushakevitz als Ersatz für den erkrankten Stammpianisten Gerhahers, Gerold Huber.

Julia Kleiters sorgfältig gearbeiteter, indes oft vibratolastiger Sopran ist von Beginn an auf Betriebstemperatur. Zwar dynamisch etwas zurückgenommen, gibt sie ihre Stücke in fast wagnerianischer Pose, in den dafür passendsten Momenten mit viel Ausdruck, der allerdings wegen der durchweg nur mäßigen Wortverständlichkeit wieder ein Stück weit verpufft, und in anderen bis zur Grenze ans Manierierte um Form bemüht. Zu selten blitzen Emotionen auf oder ist gar ein Augenzwinkern zu sehen. Die Warnende in "Trau nicht der Liebe" steht ihr lange Zeit am besten, wirklich gelöst zeigt sie sich erst im dritten Teil, wenn sie es (wie in "Köpfchen, Köpfchen") einfacher hält. Christian Gerhaher nimmt während des ganzen Parforceritts mit einer guten Verständlichkeit ein, mit Nuancenreichtum und dem nimmermüden Dynamikpotenzial seines warmen, klaren Baritons - und ist dabei mal kämpferisch, mal nachdenklich, mal trotzig, mal traurig.

Christian Gerhaher im Haus für Mozart. - © Marco Borrelli
Christian Gerhaher im Haus für Mozart. - © Marco Borrelli

Bushakevitz beschränkt sich keineswegs auf die Rolle des dezenten Begleiters im Hintergrund. Er setzt dank durchdachter Dosierung und gelegentlich langzügeliger Expressivität eigene Akzente, sei es jenseits der Stimmen oder mit ihnen. Sein Spiel macht jedenfalls große Lust auf einen Abend mit ihm als Headliner.