Komponierenden Schwarzen und Frauen Gehör verschaffen: Das will das Schweizer Lucerne Festival in diesem Sommer. Unter dem Motto "Diversity" soll von 8. August bis 11. September gezeigt werden, was der klassische Musikbetrieb neben den dominierenden Weißen und Männern zu bieten hat. Das Festival solle sich auch sozial- und kulturpolitisch engagieren, begründete Intendant Michael Haefliger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Wahl des Festivalthemas.

Man wolle, ohne anzuklagen, auf Probleme hinweisen, so der Intendant. Neuland betritt das Lucerne Festival mit "Diversity" nicht. Es hatte 2016 mit dem Thema "Primadonna" eine Bresche für die bisher kaum wahrgenommenen Dirigentinnen geschlagen. Ein Jahr später griff es unter dem Motto "Identity" das Thema Migration musikalisch auf.

Dieses Jahr stehen People of Color im Scheinwerferlicht. Diese seien im klassischen Musikbetrieb bisher nicht genügend berücksichtigt worden, sagte Haefliger. Auch die Musik soll davon profitieren, dass Menschen einbezogen werden, die mit einer anderen Lebenserfahrung kommen, als die des traditionellen Musikmilieus. Haefliger spricht von einer anderen Art des Musizierens, von mehr Entspanntheit sowie weniger Drill und Autorität. "Dies fördert auch die Weiterentwicklung der klassischen Musik", sagte er.

Für dieses Neue in der klassischen Musik steht etwa Chi-chi Nwanoku. Die britische Kontrabassistin mit nigerianischen Wurzeln wunderte sich, dass sie stets die einzige Schwarze auf der Konzertbühne war. Sie gründete als Gegenmaßnahme ein Jugend- und Erwachsenenorchester mit Musikerinnen und Musikern aus ethnischen Minderheiten, das Chineke! Junior Orchestra und das Chineke! Orchestra.

Das Jugendorchester spielt am 9. August zu Beginn des Festivals, das Konzert des Erwachsenenorchesters beendet das Festival am 11. September. Die Orchester interpretieren unter anderem ältere und zeitgenössische Musik schwarzer Komponisten. Orchestergründerin Chi-chi Nwanoku hält zudem die Festrede anlässlich der offiziellen Eröffnung vom 12. August. Danach wird das Lucerne Festival Orchestra mit der Violonistin Anne-Sophie Mutter ein Konzert von Joseph Bologne, einem schwarzen Komponisten, Musiker und Soldaten aus dem 18. Jahrhundert, spielen.

Insgesamt stehen auf dem Festivalprogramm Werke von 16 schwarzen Komponistinnen und Komponisten. Im Zeichen der "Diversity" stehen auch Frauen verstärkt im Fokus. Gespielt wird am Sommerfestival die Musik von 24 Komponistinnen, immerhin sieben Frauen dirigieren. (apa/sda)