Der Tod ist groß. / Wir sind die Seinen / lachenden Munds. / Wenn wir uns mitten im Leben meinen, / wagt er zu weinen / mitten in uns.

Rainer Maria Rilkes "Schlußstück" ist das letzte von elf Gedichten, das Dmitri Schostakowitsch für seine 14. Symphonie vertont hat. Ihr gemeinsames Thema: der Tod und nur der Tod.

Wie verschieden dessen viele Stacheln klingend und tönend stechen, das zeigte Teodor Currentzis am Dienstag in Salzburg eindringlich im Großen Festspielhaus. Mit seinem präzisen wie auch solistisch präsenten Ensemble Musica Aeterna lotete er die Todes-Facetten von Schmerz über Düsternis und Verzweiflung bis hin zum filigranen Auflösen im Nichts aus; leuchtete - auch dank der Solisten - so manche Seelennische aus, auf die sonst eher selten Licht fällt. Matthias Goerne ließ dafür die dunklen Register seines Baritons intensiv flackern; und Sopranistin Nadezhda Pavlova beeindruckte nicht nur in ihren berückenden Pianissimi als seelenvolle Klangvirtuosin.

Henry Purcells Oper "Dido and Aeneas" im zweiten Teil erwies sich nur auf den ersten Blick als Kontrastprogramm dazu. Denn auch hier unterwandert und überstrahlt der finale Tod der verlassenen Königin Dido das gesamte musikalische Geschehen.

Currentzis, das flirrende Orchester sowie der enorm agile Chor spürten einmal mehr den Extremen in Dynamik und Tempo nach, nahmen den klangmalerischen Furor ebenso mit in die präzise Gestaltung wie die Stille - um immer einen Funken vor dem Manierismus doch noch umzukehren. Kate Lindsey als tragische Dido kostete diese Einladung zu vokalen Gratwanderungen dankbar aus, Nuria Rial (Belinda) und Konstantin Krimmel (Aeneas) glänzten auch in klassischer Rollengestaltung. Ein bejubelter Abend, der Festspielglanz und Tiefgang vereinte.