Wenn sich der Goldene Saal des Musikvereins am Samstagabend gefühltermaßen zum Firmament emporhebt, ist dies auch ein Verdienst von Alexander Malofeev: Er spielt in Sergei Rachmaninows Drittem Klavierkonzert den Solopart - eine Herkulesaufgabe für jeden Pianisten.

Der 21-Jährige springt dabei kurzfristig für die erkrankte Khatia Buniatishvili ein. Das heißt, man ließ den Blondschopf aus den USA einfliegen. Und dann spielt er das eingängige, leidvolle Thema bei jeder Wiederholung intim und neuartig, mit enthusiastischer Körperlichkeit, emotionaler Purheit, Klangmacht und astreiner Technik - und all das in unter 45 Minuten. Ein berücktes Publikum, geblendet wie von der Schönheit des allerersten Tags der Welt und mit Tränen in den Augen, als gebe es kein Morgen, dankt es Malofeev mit Standing Ovation.

Was vermag das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Alain Altinoglu nach dieser Leistung draufzusetzen? Souveränität: Mit Musik der Russen Igor Strawinski und Alexander Skrjabin setzen sie den Russenschwerpunkt des Musikvereins fort. Mit unüberhörbaren Klängen des beginnenden 20. Jahrhunderts verzaubern die homogenen Streicher und sauberen Holzbläser. Strawinskis "Jeu de cartes" lässt verschnaufen, während Skrjabins "Le Poème de l’extase" wirklich in Ektase versetzt. Ein Werk, das alle Sinne vibrieren lässt, samt Schlagwerk und Blech, während das Grummeln der Riegerorgel in den letzten Takten alles zusammenhält. Chapeau.