Der italienische Dirigent Riccardo Muti hat einen Appell an die Regierung in Rom zur Rettung der Villa des Komponisten Giuseppe Verdi (1813-1901) in Piacenza gerichtet: "Verdi ist wie Dante, wie Leonardo, er ist das Erbe nicht nur Italiens, sondern der Welt", so Muti in einem Appell, der am Donnerstag von der Tageszeitung "Libertà" veröffentlicht wurde.

"Es ist einfach undenkbar, dass die Villa Verdis nach der geplanten Versteigerung in private Hände gelangt. Ich hoffe, dass die Verpflichtung auf Regierungsebene eingehalten wird, die Villa weiterhin offen zu halten", schrieb Muti.

Nach einer langen Reihe juristischer Auseinandersetzungen und Familienstreitigkeiten musste der Leiter des kleinen, aber viel besuchten Museums, Angiolo Carrara Verdi, ein direkter Erbe des Komponisten, nach einer Entscheidung eines Zivilgerichts die Villa verlassen. Damit ging ein 20-jähriger Rechtsstreit zwischen den Erben des Komponisten zu Ende. Sonntag war der letzte Tag, an dem das Museum geöffnet war. Der neue italienische Kulturminister Gennaro Sangiuliano versprach seinen Einsatz, damit der Staat die Villa übernehme. Damit solle die Villa weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Renovierungsarbeiten notwendig

Der Oberste Gerichtshof hatte entschieden, dass die Erbschaft des 2001 verstorbenen Alberto Carrara Verdi, Erbe des Komponisten, zu gleichen Teilen unter seinen drei Kindern aufgeteilt werden muss. Da jedoch keiner der drei in der Lage ist, die Anteile der anderen zu übernehmen, muss die Villa mit dem Museum verkauft werden. Das Gericht wird einen Verwalter ernennen, der das Museum bewahren soll. Nach den Worten des Kulturministers hofft Carrara Verdi, dass der Staat selbst, der das Vorkaufsrecht hat, die Villa übernimmt.

50 Jahre lang lebte Verdi in der Villa, in der sich zahlreiche Erinnerungen an das Leben des Komponisten und an sein Werk befinden. Das Dach des Museums ist dringend renovierungsbedürftig. Auch die Fassade muss neu bemalt werden und der sechs Hektar große Park benötigt Instandhaltungsarbeiten.

Mehr als 600 Blätter mit Skizzen und Entwürfen zu Opern, die meisten davon unveröffentlicht, wurden bereits 2017 aus der Villa geholt. Sie befinden sich derzeit im Staatsarchiv der Stadt Parma. Die Villa ist der Ort, an dem Verdi einige seiner schönsten Opern komponiert hatte. Hier befinden sich Möbel und die persönlichen Gegenstände des Maestro, unter anderem ein Wiener Hammerklavier der Marke Fritz, auf dem er "Il Trovatore" und "La Traviata" komponierte. (apa/mit/har)