"Nicht nee nee nee nicht no", schreibt der Maler Georg Baselitz 1993 in einem Text, den er einst selbst eingesprochen hat. Montagabend konfrontierte ihn eine neue Komposition von Olga Neuwirth im Rahmen der Musikverein-Reihe "Perspektiven: Georg Baselitz" mit seiner eigenen Stimme. Am Dienstag ist das bei der folgenden Uraufführung, einem Auftragswerk von Wien Modern und Musikverein, anders: Jaap Blonk übernimmt das Sprechen des Baselitz-Texts und sorgt in Elisabeth Harniks Werk "Bein im Sprung" für Kratzgeräusche und tiefe Glottisschläge der Stimme. Nebst vier Instrumenten (Ensemble Kontrapunkte) bescheren vier Frauenstimmen (Cantando Admont) Glissandi und ein arienartiges Finale.

Sopranistin Friederike Kühl brilliert in hoher Lage bei Morton Feldmans "For Franz Kline". Mit Leichtigkeit platziert sie aus dem Nichts heraus Töne; musikalische Orientierung findet sie dank Stimmgabel, die an dem Abend noch öfters zum Einsatz kommt. Klänge sind bei Feldman im Fluss. So auch Dirigentin Cordula Bürgi, deren Arme sich wie bei eine Qigong-Meditation bewegen. Das verleiht der Monotonie des Werks eine belebende Optik.

Mit asiatischen Sinnbildern geht es bei Beat Furrer weiter. In "Akusmata" reibt ein Perkussionist Steine aneinander, als würde ein Rechen einen Steingarten bearbeiten. Die fünf Fragmente Furrers starten mit Chor, mal sprechend, mal sakral. Ein Highlight zwischen dunklen und eisigen Klangstürmen ist die Querflöte: Das Spiel von Iva Kovać lässt den Wind zwischen hohen und tiefen Tönen wüten.