Die Cellistin Sol Gabetta ist ein Publikumsgarant. Stets zuverlässig, greift sie selbstbewusst zum Bogen, umarmt beseelt ihr Cello und drängt mit Blick zum Konzertmeister vorwärts. So auch am Sonntagabend in dem Ersten Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch Schostakowitsch im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Zwar hat sie mit den kratzig scharf komponierten Staccatonoten im Eröffnungssatz Probleme: Gabettas Cello ist da kaum hörbar. Bei den weiteren Teilen weiß sie aber zu verzaubern, auch wenn die Sechzehntel am Ende nach extremer Arbeit aussehen und klingen.

Zu ihrer linken steht Chefdirigent Klaus Mäkelä vor seinem Oslo Philharmonic Orchestra. Er stützt Gabetta anfangs des Öfteren mit Präsenz, sodass sich ein virtuoser Fluss einstellen kann. Bewundernswert, mit welch einer Gelassenheit er durch den Abend führt. Mäkelä nimmt sich zuhörend zurück, scheint das Orchester aber zugleich durch seine Klangvorstellungen zu inspirieren. Die Zusammenarbeit zwischen Orchester und Dirigent lebt von Leichtigkeit und Freude.

Jubel vor dem Finale

Am Beginn des Abends steht Igor Strawinskis "Divertimento (Le baiser de la fée)", am Ende ein häufig gespieltes Werk: Die Sechste Symphonie von Peter I. Tschaikowski. Anfangs eine Spur zu moderat, endet der vorletzte Satz so rasant, dass das Publikum in Applaus ausbricht. Unbeeindruckt schließt Mäkelä den ruhigen Schlusssatz der "Pathétique" an, mit dem sich die Ergriffenheit verlässlich einstellt.