Die Karriere des Jakub Hrůša ist um eine Facette reicher: Der aus Tschechien stammende Dirigent wird ab 2025 als Musikdirektor an der Londoner Covent Garden tätig sein. Derzeit ist er Chefdirigent der Bamberger Symphoniker und Erster Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie und des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia.

Das Wiener Publikum weiß Hrůša ebenfalls sehr zu schätzen. Dessen musikalischen Tugenden traten bei den Abonnementkonzerten der Wiener Philharmoniker am vergangenen Wochenende erfolgreich zutage. Hervorragend vorbereitet bestritt Hrůša gemeinsam mit den bestens disponierten Philharmonikern ein attraktives Programm. Den stärksten Eindruck hinterließ im Großen Musikvereinssaal Witold Lutosławskis "Konzert für Orchester". Der polnische Komponist schrieb das dreisätzige Werk, eine beeindruckende Reflexion über folkloristisches Material, Mitte der 1950er Jahre. Dreißig aufregende Minuten, groß besetzt, raffiniert instrumentiert, flirrend, brodelnd, dröhnend, leuchtend, rhythmisch hochkomplex.

In der ersten Konzerthälfte interpretierte Evgeny Kissin seinen Part in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in A-Dur, KV 488 klangschön und höchst kultiviert. Die Wiener Philharmoniker steuerten Empfindungstiefe und Innigkeit bei. Den Anfang bildete Antonín Dvořáks Konzertouvertüre "Othello" op. 93, der letzte Part (nach "In der Natur" und "Karneval") einer Trilogie, deren Teile meist einzeln aufgeführt werden.