Es ist kein Geheimnis, dass die Wiener Symphoniker sich von dem Maestro am Pult eher leiten lassen als die Wiener Philharmoniker. Ebenso am Donnerstagabend im Großen Saal des Wiener Musikvereins. Strahlkraft gelingt den Symphonikern dadurch leider nicht. Nur die Soli-Stimmen lassen erahnen, wozu dieser grandiose Klangkörper im Gesamten üblicherweise fähig ist.

Gastdirigent Kent Nagano geht es pragmatisch und mit den Tempi träge an. Eine differenzierte Klangvorstellung zwischen Franz Liszt, Béla Bartók und Richard Strauss lässt sich nicht erkennen. Das Empfinden deckt sich mit dem verhaltenen Applaus des Publikums. Bei Liszt Mephisto-Walzer Nr. 1 fehlen das Flattern, das an Fledermäuse erinnert, der Flötensound, der schon weit vor Beginn des Jazzes "dirty" klingt und der Wirbelsturm, der Mephisto auftreten lässt. Es lebt sich in der Klangwelt so dahin. Umso dankbar darf man sein, dass Gidon Kremer für die erkrankte Patricia Kopatchinskaja den Solopart in Bartóks Violinkonzert Nr. 1 übernimmt. Die Beklommenheit des Abends verstärkt sich jedoch: Der bald 76-jährige Jahrhundertgeiger schwächelt klanglich beim kraftvollen Bogeneinsatz. Dennoch vermittelt sich eine klangliche Virtuosität bei den höchsten Tönen, gespielt von einem der feinfühligsten und ausdrucksstärksten Ausnahmekünstler.

Glänzen wird an diesem Abend, wie es sich für ein Strauss-Repertoire gehört, der Konzertmeister. Kirill Maximov, von den Tonkünstlern, springt für den erkrankten Kollegen der Symphoniker ein.