Pianistin Mitsuko Uchida war erneut zu Gast im Musikverein und trat nach Schumanns "Davidbündlertänzen" im Juni diesmal mit dessen Klavierkonzert op. 54 an. Genau dem Stück, das Martha Argerich hier vor rund zehn Wochen zu Gehör gebracht hatte. Zwei Altmeisterinnen also im (fast) direkten Vergleich. Argerich hatte eine selbstbewusste, lässig-unkonventionelle Interpretation in den Großen Saal gezaubert, Uchida hielt sich dagegen ausnehmend zurück. Dem schon moderaten Tempo des London Symphony Orchestras, angeleitet von Sir Simon Rattle, setzte sie noch mehr Behutsamkeit entgegen.

Allein diese Tempodivergenz ließ keine rechte Einheit zwischen Klangkörper und Solistin entstehen. Uchidas Zurückhaltung verweigerte zudem konsequent das Flirrend-Fiebrige dieses Hochamtes der Romantik ebenso wie alles Brachiale, was in Summe eine arg weichgespülte Dramatik zur Folge hatte. Das ist zwar sympathisch uneitel; das Klavier etwas mehr in den Mittelpunkt zu rücken, hätte dennoch gutgetan.

Nach der Pause ließ Rattle bei Rachmaninows Dritter Symphonie keine Zweifel aufkommen, dass er auch kräftiger zupacken kann. Von Anfang an arbeitete er transparent die ausgreifenden Strukturen des Spätwerkes heraus, das Widerstreitende. Rattle erwies sich dabei als energischer wie energetischer Antreiber und zugleich - insbesondere im Finale des Mittelsatzes - sehr feinfühliger Dynamik-Dosierer eines Orchesters, das bewegt und engagiert, wenngleich ohne allerletzte Präzision agierte.