Die prickelnde Atmosphäre im Saal, die freudigen Gesichter der Musizierenden, in der Pause aufgeschnappte Gesprächsfetzen und das wohlige Gefühl beim Heimgehen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Programmierung war ein Volltreffer. Ein Bravo an das Wiener Konzerthaus. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen präsentierte am Wochenende unter ihrem künstlerischen Leiter Paavo Järvi bei einem Gastspiel drei Londoner Symphonien von Joseph Haydn.

Eine wunderbare Gelegenheit, dieser herrlichen Musik endlich wieder den ihr zustehenden Raum zu geben. Zwei Mal weilte der Komponist in der Stadt an der Themse. Von Jänner 1791 bis Juli 1792 und von Februar 1794 bis August 1795. Der Erfolg der Aufenthalte zeigte sich auf mehreren Ebenen: in einem Gewinn an Bekanntheit, Vermögenswerten und kompositorischer Meisterschaft. Mit den insgesamt zwölf Londoner Symphonien erreichte Haydn seinen Gipfel in dieser Gattung.

Die Kammerphilharmonie Bremen ging mit Intensität, großer Sprachlichkeit und vollem Risiko ans Werk. Järvi agierte mit gutem Timing und Balance zwischen Anleiten und Spielenlassen. Besonders elegant fielen jeweils die zweiten Sätze aus: in der 96. Symphonie in D-Dur "The Miracle", in der 102. in B-Dur (mit animiertem Cello-Solo) und in der Symphonie Nummer 103 in Es-Dur "Mit dem Paukenwirbel" (mit lässigem Konzertmeister-Solo). Hier gelang den Gästen ein ungemein plastisch gestalteter Kopfsatz. Als Zugabe kein Haydn, sondern ein Csardas von Leo Weiner.