Wen es interessiert, gleich vorneweg: Yuja Wang, nicht nur für ihr Klavierspiel bekannt, sondern auch ihre meist körperbetonten Bühnenoutfits, trug diesmal ein eng anliegendes, goldschillerndes, rückenfreies und hochgeschlitztes Kleid samt dazu passendem hochhackigem Schuhwerk. Ihr zur Seite stand im Musikverein Violinist Leonidas Kavakos. Die beiden verbindet eine lang andauernde musikalische Partnerschaft, die vor drei Jahren in eine gemeinsame Tournee sowie schon 2014 eine CD-Einspielung mündete. Auf der CD ist unter anderem Brahms’ Sonate für Klavier und Violine Nr. 1 zu finden - mit diesem Stück eröffneten sie auch den um drei Zugaben verlängerten Abend im Großen Saal.

Kavakos’ gänzlich unprätentiöser Strich erscheint wie beiläufig, mitunter fast etwas ungelenk steht der Grieche da und serviert dabei eine spielerische und zugleich getragene Leichtigkeit, mal tänzelt, mal mäandert er sich durch die Partitur, stets locker fließend und gelassen - das alles zeigt er posefrei bereits im begeisternden Brahms-Kopfsatz. Und hat in Wang eine eingespielte Partnerin. Nur in wenigen Forte-Momenten überzieht sie etwas (wie später noch beim Schumann) und entzieht Kavakos dadurch kurz den Boden. Das passiert im superfeinen Adagio nicht, hier wechseln die beiden betont weiche und schmerzlich-scharfe Passagen bündig ab, finden ungeahnte Zusammenhänge und meiden derbe Kontraste, ehe sie den Schlusssatz energisch, indes nie zügellos vorantreiben.

Nach einer voller Verve präsentierten Janáček-Sonate: Schumanns Sonate op. 121, von Kavakos nuanciert gestaltet, vergleichsweise langsam und jeweils auf den Augenblick fokussiert, was das Ganze etwas unruhiger werden lässt. Brachiales aber oder harte Kanten hat er auch jetzt nicht nötig, bleibt erhaben und souverän bis hin zum einer Wildwasserfahrt gleichenden Finale.