Wenn bei einem Violinkonzert das beste am Auftritt des Solisten seine darauffolgende Zugabe ist, spricht das meist nicht unbedingt für den Mann mit der Geige. So geschehen im Konzerthaus bei Prokofjews Erstem Violinkonzert. Maxim Vengerov und das ORF Radio-Symphonieorchester unter Chefdirigentin Marin Alsop wählten von Beginn an ein recht zügiges Tempo, was sich im weiteren Verlauf rasch rächen sollte. Denn Vengerov versuchte zwar, die Geschwindigkeit entsprechend hochzuhalten, dabei blieben aber etliche Partitur-Finessen auf der Strecke. Stattdessen wurde es etwas holprig - und im Mittelsatz nicht wirklich besser. Denn dieser echte Parforceritt geriet Vengerov nachgerade atemlos gehetzt, was erneut die Offenlegung einiger Prokofjew-Preziosen kostete. Ebenso im finalen Moderato, das bei Vengerov und Alsop eher wie ein Vivace klang und Strukturen weitgehend unbeleuchtet ließ. Da konnte die feine Massenet-Zugabe hinterher nur mehr Kosmetik betreiben.

Ebenfalls noch vor der Pause kümmerte sich Alsop um die polnische Komponistin Gracyna Bacwicz. Deren Musik für Streicher, Trompeten und Schlagwerk wurde unter der Amerikanerin eine stets bedrohliche, gut nuancierte Reise - atmosphärisch sicher der Höhepunkt des Abends.

Auftritt für einen reichen Mezzosopran

Bei Bernsteins Erster Sinfonie setzte Alsop dann weiters auf pure Offensive, was die verhandelte "Jeremiah"-Erzählung musikalisch nur mehr brachial-holzschnittartig wiedergab. Derart erwies sich indes der Auftritt von Sängerin Rinat Shaham überhaupt nicht: Stimmlich, aber auch mimisch wie körpersprachlich ausdrucksstark gelang ihr der klagende Gesangspart im Schlusssatz - selbst wenn das Orchester auf sie dynamisch mitunter wenig Rücksicht nahm. Ihr reicher Mezzosopran und ihr Spiel ließen das Podium im Großen Saal regelrecht zur Opernbühne werden. Chapeau!