Es war gewissermaßen ein doppelter Kulturtransfer, der sich am Donnerstag im Musikverein vollzog. Xavier de Maistre, in Frankreich geboren und einst als Soloharfenist bei den Wiener Philharmonikern tätig, kehrte nun mit dem Orchestre National de France und dem Dirigenten Cristian Macelaru an seine frühere Heimstätte zurück.

Nachdem sich das Orchester mit Ravels "Ma mère l’oye" warmgespielt hatte, war es dann auch der Harfenstar, der alle Aufmerksamkeit auf sich und das Publikum in seinen Bann zog. In Reinhold Glières Harfenkonzert, einem Werk, das - obwohl erst 1938 entstanden - durch und durch spätromantisch geprägt ist, beeindruckte de Maistre mit der gesamten Bandbreite des Harfenspiels. Ob innig-melodiös oder virtuos strahlend, de Maistre ließ alles mit spielerischer Leichtigkeit erklingen. Das Publikum dankte es ihm mit Jubel und stehenden Ovationen, er dem Publikum mit zwei Zugaben: einem hochvirtuosen Arrangement des Volksliedes "Mein Hut, der hat drei Ecken" und Debussys "Clair de Lune".

Prächtige Klangfülle

Nach der Pause stellte dann das Orchester alleine seine Stärken unter Beweis und präsentierte César Francks Symphonie in d-Moll. Cristian Macelaru, seit 2020 Musikdirektor des Klangkörpers, leitete diesen klar und deutlich. Der gebürtige Rumäne produzierte mit prächtiger Klangfülle eine dichte, satte, gut aufgebaute Interpretation dieser Symphonie, die auch mit einigen emotionalen Ausbrüchen aufwartete.