Wenn Musik der Moderne in einem Klassikkonzert auftaucht, dann meist nach dem Sandwich-Prinzip: Der Abend beginnt und endet mit Altbewährtem, in der Mitte wird dagegen ein vergleichsweise junges Stück gereicht. Der Vorteil für den Fremdkörper im Zentrum: Ihm läuft, weil mittig platziert, nicht das Publikum davon. Der Vorteil für die Klassikfans: Ihre Lieblingsmusik bleibt in der Mehrheit.

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Pianist Fazil Say können es sich leisten, dieses Prinzip umzudrehen: Am Sonntag brachten sie eine glutvolle Brahms-Sonate op. 108 zu Gehör, umrahmten sie mit zwei Werken des 20. Jahrhunderts und bescherten dem Konzerthaus dennoch einen fast ausverkauften Großen Saal. Das liegt, nebst dem Glanz der beiden Namen, nicht zuletzt daran, mit welcher Verve Kopatchinskaja regelmäßig im modernen Fach auftrumpft. So auch hier: Die Haare des Temperamentbündels beginnen bereits zu fliegen, wenn sich Leoš Janáček Violinsonate ihrem Ende nähert. Seltsam: Es ist dies ein Werk mit wenig scharfen Kanten und viel romantischer Rundung für den Querkopf Janáček, doch mit einigen lakonischen Pointen, die Kopatchinskaja mit prägnanter Kratzigkeit ausspielen kann.

Deutlich stärker Béla Bartóks Sonate von 1921, verfasst im unverkennbaren Personalstil des Ungarn, anzuhören wie eine magisch lockende Fremdsprache. Da schillern gruselige Tremoli im Kopfsatz, säuseln Flageoletts über rätselhaften Akkordrückungen im Mittelsatz und rast das Finale wie ein folkloristischer Säbeltanz mit falschen Tönen dahin: eine Überwältigung.