Knapp zehn Tage, nachdem das Orchestre National de France im Musikverein ein rein französisches Programm zum Besten gegeben hatte, wiederholten dies nun die Wiener Philharmoniker unter Alain Altinoglu. Der Maestro, in Wien immer häufiger zu Gast, setzte in schöner Dramaturgie drei Werke aufs Programm, die hierzulande immer noch vergleichsweise selten erklingen.

Zu Beginn durfte sich Konzertmeister Volkhard Steude solistisch betätigen: Er interpretierte den Solopart von Ernest Chaussons "Poème" mit hoher geigerischer Kultiviertheit, jedoch etwas akademisch. Das Zusammenspiel mit dem Orchester und dem neuen Konzertmeister Yamen Saadi klappte tadellos.

In Maurice Ravels darauffolgender "Rhapsodie espagnole", inspiriert durch die Heimat der baskischen Mutter des Komponisten, konnte Altinoglu seine volle Gestaltungskraft wirken lassen und erschuf mit den gut disponierten Philharmonikern eine entzückende Suite spanischer Miniaturen, gipfelnd in der entfesselten Jahrmarktstimmung der Feria.

Mit Camille Saint-Saëns’ Dritter Symphonie schließlich, der sogenannten Orgelsymphonie, ist es schwer, keinen Eindruck zu machen. Spätestens das Finale mit seinem wuchtigen Thema, einer in Dur gekehrten Version des "Dies irae"-Motivs, sinnbildlich eine Überwindung des Todes, füllt jeden Saal mit seiner Klangpracht. Altinoglu ließ es aber auch schon zuvor ordentlich krachen und verdiente sich so gebührenden Applaus.