Einer der Stillen - nolens volens: Das Musikgeschäft interessiert sich nicht für ihn. Die Abneigung ist durchaus gegenseitig. Verstehe es, wer es verstehen kann.

Horst Ebenhöh, am 16. Mai 1930 in Wien geboren, von Roland Raupenstrauch und Richard Hauser ausgebildeter Pianist, von seinen Schülern geradezu verehrter Professor für Musik und Geografie, vor allem aber Komponist: Urheber eines umfangreichen Gesamtwerks mit Opern, großformatiger Vokalmusik, Orchesterstücken, Klavier- und Kammermusik.

Stilistisch ist er schwer einzuordnen: Seine Anfänge wurzeln in der Nachromantik, aber das dauert nicht lange. Ebenhöh, der die Fesselung der Musik in der Zeit des Nationalsozialismus mit Abscheu verfolgt hat,  interessiert sich für modernere Kompositionstechniken. Allerdings ist ihm auch der Purismus der Avantgarde mit ihren zwölftönigen und seriellen Verfahren suspekt. Er strebt eine Synthese an.

Ein neues Fundament

Ebenhöh sagt dazu: "Die stärkste Hilfe kam mir - eigentlich unerwartet - durch meine Orientreisen. Ich ließ den Reiz der unabhängigen Melos-Bewegung auf mich einwirken und es erfaßte mich die Wirkung der ungeahnten Vielgestaltigkeit des orientalischen Rhythmus, gleichzeitig begann ich, unabhängig zu werden von tradierter Tonalität, deren ich zeitweise nicht bedarf. Seither kann ich mich außerhalb des Korsetts unserer rhytmischen und harmonikalen Gewohnheiten bewegen."

Das Ergebnis ist indessen kein künstlicher Orientalismus, sondern eine Musik, die weder den Weg des Konservativismus noch den der Avantgarde einschlägt, sondern sich ganz bewusst für eine dritte Möglichkeit entscheidet, indem sie ästhetisch von Grund auf anders ansetzt. Die Stücke sind gepfeffert dissonant und klanglich ungemein reizvoll, Tonales, Atonales, genau Notiertes und Aleatorisches gehen eine höchst persönliche Verbindung ein, Kurzmotive haken sich im Ohr fest, und manch ein Zuhörer hat sich ertappt, mit dem Fuß einen der heftig sykopierten Rhythmen mitwippen zu wollen.

Die Opern

Fünf Opern komponiert Ebenhöh: "Virata" nach Stefan Zweig, "Pompeji" nach Ödön von Hováth und "Sultan zu verkaufen" nach Tewfik el Hakim. Vier davon sind unaufgeführt - weshalb, kann kein Dramaturg vernünftig begründen. Weit schwächeren Werken als speziell dem "Sultan" werden weit höhere Uraufführungsehren zugestanden.

Es hat wohl auch mit Ebenhöhs mangelndem Geschick im Umgang mit den Mächtigen der Kulturszene zu tun: Er, der als Lehrer mühelos Kinder und Jugendliche für Musik und Geografie begeistert, tut sich schwer mit glatter Konversation auf Empfängen, und der Einsatz von Ellenbogen ist schon gar nicht seine Sache. Eher nützt er seinen Einfluss zugunsten von Komponistenkollegen, als dass er sich selbst in den Vordergrund stellt.

Gedankt wird ihm das wenig. Und so hat Ebenhöh auch Pech mit dem "Herkules" nach Friedrich Dürrenmatt: Erst gestattet der Schweizer Schriftsteller die Verwendung seines Theaterstücks, dann zieht er sie zurück. Eine Intrige eines konkurrierenden Komponisten soll mitgespielt haben - vielleicht ist das auch nur ein Gerücht. 

"Die Pfaffenberger Nacht" nach Eduard Kranner  hingegen, eine knorrige Kammeroper, frisch, frech und so wirksam, dass dem Zuschauer die Dissonanzenhaltigkeit der Musik gar nicht auffällt, ist ein Volltreffer: Fast scheint es, als habe die Geschichte mit ihrem Kremser Lokalkolorit und ihren Weinbergen Ebenhöh, der seit 1990 in Dürnstein lebt, besonders inspiriert. 

Umfangreiches Schaffen

Aufgrund der Fülle ist es schier unmöglich, auf Ebenhöhs Schaffen, das mehr als 300 Werke umfasst,  detailliert einzugehen. Hervorzuheben sind ein Konzert für Violoncello und kleines Orchester, ein Konzert für doppeltes Schlagzeug und Orchester, ein Konzert für Klavier, Bläser und Schlagzeug sowie "Drei Tänze" aus der Oper "Soltan zu verkaufen. In allen diesen Werken zeigt Ebenhöh sein Faible für Klangfarben, Rhythmen und pikante Harmonien.

Am 26. Dezember ist Horst Ebenhöh im Alter von 92 Jahren über der Arbeit an einem neuen Werk gestorben. Er hat bis zuletzt komponiert.

In die Trauer über seinen Tod muss sich nun die Verantwortung seinem Werk gegenüber mischen. Es braucht Aufführungen. Wenigstens jetzt.