Ob Samt, Baumwolle oder Satin, als kleines Schwarzes oder zum Kinn gezogenen Rollkragenpullover - am Montagabend dominiert festliches Schwarz das Foyer des Wiener Konzerthauses.

Lägen die Silvesterfestivitäten nicht schon zehn Tage zurück, könne man meinen, die Besucher pilgern zu Beethovens Neunter Symphonie. Dabei geben die Wiener Symphoniker Johannes Brahms zum Besten. Am Dirigentenpult steht für die Erste und Zweite Symphonie Pablo Heras-Casado. Trotz seiner Entschiedenheit, musikalische Ideen zu einem Hörerlebnis zu machen, gelingt dies am Auftaktabend seiner Konzertreise mit den Symphonikern durch Österreich bis hin ins deutsche Baden-Baden nicht.

Die Erste Symphonie tönt verschleiert: Streicher dominieren, Bläser bleiben im Klangraum zurück; selbst die dominante Pauke scheint nur Beiwerk des an sich spannungsgeladenen Werks zu sein. Das feine, aber kurztaktige Geigensolo kündigt sich durch das aufrechte Sitzen des Konzertmeisters frühzeitig an, wirkt dann jedoch gehetzt.

Überzeugendes Klangbild

Während Brahms‘ Erste Symphonie von Rhythmik und Dynamik lebt, ist die Zweite etwas ruhiger und satter. Ganz anders bei Heras-Casado: Nachdem er in der Ersten keine Extreme gesucht hat, wird es in den ersten 20 Minuten der Zweiten fälschlicherweise umso rhythmischer. Dankenswerterweise stellt sich ab dem Hornsolo ein überzeugendes Klangbild ein, dessen Schönheit für das etwas schleppende Tempo entschädigt.