Es lag gewiss nicht am Outfit - auch, wenn man es hätte denken können: Zeigte doch Renée Fleming, mal in orangefarbenem und mal in einem weinroten Abendkleid, tatsächlich zwei recht unterschiedliche Hälften ihres Liederabends im Musikverein. Den Anfang bestritt die US-Starsopranistin zunächst mit vier Schubert-Liedern, bei denen sie, wie in der Folge fast durchgehend, massive Schwierigkeiten mit der Wortverständlichkeit hatte und zudem Probleme, stimmlich ausreichend Platz neben Jean-Yves Thibaudet am Klavier zu haben. Ehe er sich ab dem zweiten Stück weiter zurücknahm und sie für sich mehr Raum gewann. Der Franzose war für den erkrankten Jewgeni Kissin eingesprungen.

Thibaudet setzte solo mit Liszts "Consolation" fort, träumerisch-dahinperlend, sehr entspannt und souverän. Seiner Partnerin gelangen hernach vier Liszt-Lieder besser als die Schubert-Stücke, das, Pardon, Orangefarbene vom Ei waren sie indes noch nicht.

Nach der Pause schien sich Fleming in roter Robe bei Liszt mit französischen Texten statt zuvor deutschen dann deutlich wohler zu fühlen. So geriet gerade "Oh, quand je dors" sehr fein in all seinen Facetten gearbeitet, mit passend dosierter Dynamik. Nach zweimal Fauré sogar noch eine Steigerung bei Kevin Puts’ "Evening" zum Abschluss. Dazwischen der allerdings eigentliche Höhepunkt des Abends: Debussys Klavierstück "La cathédrale engloutie". Hier kostete Thibaudet mit viel Zeit im Gepäck jede der Noten aus und setzte sie in einen geheimnisvollen Zusammenhang. Sehr spannend.