Wen, wenn nicht ihn, könnte man in einem Atemzug mit Ludwig van Beethoven nennen? Rudolf Buchbinder ist und bleibt Österreichs bester Interpret des Adoptiv-Österreichers. Als Pianist hat er mehrfach alle 32 Sonaten von Beethoven gespielt und aufgenommen. Dennoch stand am Donnerstagabend im Wiener Konzerthaus nur ein Werk aus dessen Klavierwelt auf dem offiziellen Programm, die Sonate in c-Moll op. 13. Als Zugabe folgte noch der dritte Satz der "Sturm-Sonate". Beide machen diesen Abend unvergesslich. Geradezu spirituell und voller Milde verwandelt sich hier Kraft in Empfindsamkeit. 

Dieser Zartheit steht bei den anderen Komponisten des Abends die Geradlinigkeit der Interpretation Buchbinders entgegen, die mehr nach einem Zupacken klingt als nach einem geruhsamen Hauskonzert. Der Einstieg mit Robert Schumanns Fantasie in C-Dur klingt tatsächlich energisch und erfährt gerade in den geschwinden Partien hier und dort eine Flüchtigkeit. Bei Frédéric Chopin setzt Buchbinder fort, was er bei Schumann andeutet. Folglich tritt der romantische Stimmungsgehalt in der "Nocturne Es-Dur Op. 9/2" zurück, es dominieren angestrengte Wechsel zwischen Laut und Leise, Treibendem und Ruhendem. Anmut stellt sich bei leisen Stellen in Chopins Werk ein; gleichwohl überzeugt das anscheinend groß Gedachte im b-Moll-Scherzo op. 31.