Dieser Tage ist das Wiener Konzerthaus einmal mehr Treffpunkt für Alte-Musik-Begeisterte. Das Festival "Resonanzen" kreist mit einem gewohnt vielversprechenden Programm um das Thema "Unterwelten". Den Eröffnungsabend gestalteten Les Arts Florissants. William Christie gründete vor über 40 Jahren das aus Orchester und Chor bestehende französische Originalklangensemble. Der Schotte Paul Agnew schlüpfte vom Tenorsolisten zunehmend in die Rolle des Dirigenten. Am Samstag bildete er, mittlerweile stellvertretender Musikdirektor, das pulsierende Herz am Podium.

Die von ihm animierte Truppe spielte mit eleganter Verve. Die vollmundige Basis kam vom Kontrabassisten Michael Chanu. Cembalist Florian Carré wob feine Verbindungslinien und die Flötisten Serge Saitta und Charles Zebley setzten sich gekonnt in Szene. Die Aufmerksamkeit und Begeisterungsfähigkeit des Publikums, Markenzeichen der "Resonanzen", waren auch dieses Mal zur Stelle. Nach einer Eröffnung mit zwei Sätzen aus Jean-Féry Rebels Symphonie nouvelle "Les Éléments" zeigten sich bei Henry Purcells Szene "In guilty night" die Vokalsolisten: der stimmgewaltige, ausdrucksstarke Tenor Nicholas Scott, Mezzosopranistin Blandine de Sansal, die erst nach der Pause in einer Arie aus Händels "Alcina" ihr Potenzial so richtig aufblühen ließ, und der wendige Bass Edward Grint. Der wunderbare 16-köpfige Chor, eine Einheit und doch voller Individualität, brillierte bei Marc-Antoine Charpentiers "Médée" ebenso wie in der Szene "Orfeo nell’inferni" aus André Campras Oper "Le Carnaval de Venise".