So viel vorweg: An dieser Stelle ist kein Platz für Worte über Technik, sondern Raum für Emotionen. Am Flügel im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins gebietet am Montagabend Grammy-Preisträger Daniil Trifonov über gewaltige Kräfte. Grundiert von einem liegenden Orgelpunkt, lässt er wieder und wieder den ruhigen Bass erklingen, um in der Höhe Energie freizusetzen. Wer bis dato der Annahme war, er würde Robert Schumanns Fantasie in C-Dur kennen, irrte. Die Übergänge gestalten sich unmerklich wie bei einem perfekt geschnittenen Film, die Töne verschmelzen zu einem klingenden Rausch der gefinkelten Rhythmen. All das mit einer inneren Getriebenheit, die wirkt, als würden sich Trifonov Finger gar nicht mehr von der Tastatur lösen und ganzheitliche Körperimpulse das Wechselspiel der Kräfte bestimmen. Dabei dringt durch Schumanns Romantik der schwermütige Grundton der Russen. Mit Tschaikowskis "Kinderalbum", zu Beginn gegeben, beherrschen Facetten des Sanghaften das Klangbild; besonders die "Bestattung der Puppe" versetzt das Herz in Vibration.

Virtuoser Duktus

Trifonov stellt sich selbst nach der Interpretation Schumanns mit Maurice Ravels "Gaspard de la nuit" in den Schatten. Auf seine erstaunliche Virtuosität, die hier ein Klangbett aus Zweiunddreißigsteln gestaltet, ist man allerdings mittlerweile eingestellt; gleiches gilt für das Prestissimo in der Fünften Sonate von Alexander Skrjabin. Ein Duktus, der Gefahr läuft, dass man sich zu schnell an ihn gewöhnt.