Eine junge Witwe begibt sich ins Feindeslager. Sie betört den Feldherrn, schlägt dem Schlafenden den Kopf ab und rettet so ihre Heimatstadt: Die biblische Erzählung von Judith und Holofernes hat immer wieder Künstler inspiriert...

So auch Alessandro Scarlatti, der das Sujet "La Giuditta" gleich zweimal vertont hat: Erst nach einem Libretto des römischen Kardinals und Mäzens Pietro Ottoboni, mit gewaltigem Aufwand an Sängern und Instrumenten; nur ein Jahr darauf (1695) nach einem Text von Ottobonis Vater Antonio in einer Version, die sich mit drei Solisten und Streichorchester begnügt. Mit sparsamsten Mitteln und nobler Tonsprache folgt Scarlatti der Handlung. Stilistisch gehört die Partitur mit ihren kurzen, formal differenzierten, oft nur vom Continuo begleiteten Arien und Duetten noch dem 17. Jahrhundert an.

Rinaldo Alessandrini hat sie nun im Theater an der Wien vorgestellt. Entsprechend dem kammermusikalischen Charakter ließ er sein Ensemble Concerto Italiano in solistischer Besetzung, wenngleich mit modischer Hypertrophie der (sechsköpfigen) Continuo-Gruppe musizieren. Gut gewählt auch die Solisten: Anna Simboli mit lieblich timbriertem Sopran in der Titelpartie, Martin Oro mit gehaltvollem Countertenor als Amme (!), Luca Dordolo mit geschmackvoll geführtem Tenor als Holofernes. Eine interessante Begegnung.

Konzert

Concerto Italiano

Theater an der Wien