Manchmal wird er Mr. Netrebko genannt - was für Erwin Schrott aber okay ist,


solange auch seine Ehefrau manchmal Mrs. Schrott gerufen werde. Foto: Jason Bell
Manchmal wird er Mr. Netrebko genannt - was für Erwin Schrott aber okay ist,

solange auch seine Ehefrau manchmal Mrs. Schrott gerufen werde. Foto: Jason Bell

Wien. "Baaaaa!!!" Die Wand bebt. Die goldenen Schallplatten scheppern. Erwin Schrott schmettert. Denn der Bassbariton führt vor, was eine Opernstimme in beengten Verhältnissen, konkret: im Besprechungszimmer von Sony Music, anrichtet. Und warum man diese Schallfülle auch für ein opernfernes Repertoire lieber drosseln sollte. Nun ja: Demonstration gelungen. Hauptsächlich aber redet der Uruguayer an diesem Tag über sein Debüt-Projekt bei Sony, und das nicht zu knapp. Vier, fünf Interviews hat er hinter sich, weitere folgen. Womit der PR-Feldzug in Wien nicht beendet war: Sämtliche Schrott-Zitate, so die Auflage, hatten dem Sänger vor Veröffentlichung noch einmal vorgelegt zu werden. Auf Englisch.

Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um zu ermessen, welche Bedeutung Sony Classical dem Neuzugang im Portfolio beimisst. Nicht ohne Grund: Laut dem volltönenden Feschak wären rund 50.000 Exemplare seines Decca-Debüts verkauft worden - ein beachtlicher Erfolg, mögen die Zahlen nach Angaben des Labels auch etwas darunter liegen. Als Bogdan Roscic 2009 den Chefsessel von Decca gegen den von Sony Classical tauschte, dürfte er Schrott nicht nur aus Sympathie mitgezogen haben.

Glosender Stimmklang

Dass jetzt nicht irgendein Tonträger den Markt beglückt, lehrt aber auch das Produkt. Schrott, Lebenspartner von Sopranstar Anna Netrebko und selbst begehrtes Transportgut zwischen den Opernhäusern dieser Welt, singt nun nichts Arioses - sondern südamerikanische Musik, mit der er groß geworden ist. Wobei der Titel "Rojotango" (Roter Tango) freilich auch Tanzmusikalisches verspricht. "Es ist eher ungewöhnlich, dass ein Bassbariton dieses Repertoire singt. Aber beim Tango ziehe ich den nachtschwarzen, Dunkelschokolade-artigen Ton eines Bassbaritons dem süßen Klang eines Tenors vor", sagt Schrott - und lässt seiner Kehle einen rauchigen, glosenden Klang entströmen. Keine Frage: Weder optisch noch klangfarblich fehlt ihm die Sinnlichkeit fürs hormonsatte Material.

Nur: Ist ein Opernorgan nicht zu groß für den Tango? "Das erste Mal, als ich ins Mikrofon sang, produzierte ich einen Klang wie für 3000, 4000 Opernbesucher", sagt Schrott - und schmettert nun sein gehörsturzverdächtiges "Baaa!". "Ich trainierte dann Tage im Studio, musste 50 Prozent der Energie für das Mikrofon rausnehmen. Für dieses Publikum, das nicht weiter als zehn Zentimeter entfernt ist, habe ich einen sanften, intimen, doch opernhaften Sound entwickelt."