Im ersten Teil des Konzerts der Wiener Symphoniker im Großen Musikvereinssaal wurde mit der jungen amerikanischen Geigerin Pamela Frank eine bemerkenswerte Wien-Debütantin als Solistin in Mozarts

Violinkonzert G-Dur aufgeboten. Dennoch waren die nach der Pause dargebotenen, vom mediterranen Geist erfüllten Werke Debussys und Ravels die stärksten Höhepunkte dieses Abends.

Claude Debussys symphonische Skizzen "La mer" boten den Symphonikern Gelegenheit, in duftigen Klangnuancen zu baden. Impressionistische Tonmalerei, das Spiel von Licht und Schatten auf einer

gleißenden, stets in Bewegung und Veränderung befindlichen Oberfläche, eine perfekte Transponierung der optischen Reize des Augenblicks in akustische Strukturen. Georges Pretre konnte mit sparsamsten

Gesten dieses reichhaltige Empfindungsspektrum zur Entfaltung bringen · die langjährige Zusammenarbeit ist ein Garant dafür, daß die Umsetzung klappt.

Noch eine weitere Steigerung brachte dann Maurice Ravels Bolero. Zarter läßt sich der Beginn nicht realisieren, umso bezwingender dann die stete Zunahme an Intensität · bis hin zum orgiastischen

Höhepunkt und dem unmittelbar folgenden Kollaps. Mit diesem Bolero könnten sich die Symphoniker, allen voran die exzellenten Bläser, ruhig in die Höhle des Löwen · Madrid · begeben.

Eröffnet wurde das Konzert mit Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz" in der Orchesterfassung von Hector Berlioz, eine brillante Bearbeitung, die vor allem eines zeigt: daß das Original für

Klavier letztlich unübertrefflich ist. Im anschließend zu Gehör gebrachten Konzert für Violine und Orchester G-Dur, KV 216, von Wolfgang Amadeus Mozart beeindruckte die Solistin Pamela Frank mit

ihrem unprätentiösen, so gar nicht auf Imponiergehabe ausgerichteten Spiel. Ihre Interpretation rückte das Werk, vor allem in den Kadenzen, stark in die Nähe der Romantik.