In den acht Jahren seiner bisherigen Tätigkeit als Linzer Orchesterchef hat Dennis Russell Davies bereits wiederholt seine Bruckner-Kompetenz unter Beweis gestellt. Sein Zugang zum "Genius loci" baut auf Sachlichkeit und Werktreue auf. Ohne Pathos geht Davies an Bruckners Tempo-Vorgaben heran und entscheidet sich beispielsweise beim Scherzo für eine bedächtigere Interpretation als sie der Komponist vorgibt. Das Bruckner Orchester folgt ihm dabei mit höchster Professionalität - auch an diesem Abend.

Makellos in allen Sparten des Orchesters - selbstverständlich auch bei den von Bruckner besonders geforderten Bläsern - ergab die Aufführung dieser populärsten Bruckner-Symphonie ein heftig beklatschtes Gesamtkunstwerk. Exklusiv für das Saalpublikum gab es vor Bruckner noch den "Ohrwurm" von Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 mit dem britischen Pianisten Melvyn Tan als Solisten. Technisch unglaublich virtuos vermisste man in seiner Interpretation allerdings ein wenig das "Gefühl", auch wenn er den langsamen zweiten Satz in kaum einmal gehörter Breite anlegte. Statt Beethovens eigener Kadenz spielte Tan im ersten Satz eine Johannes Brahms zugeschriebene deutlich längere Kadenz - prall gefüllt mit kunstvollsten Passagen.

Vom Namensgeber steht beim heurigen Linzer Brucknerfest - abgesehen von Chorwerken und einer Jazz-Version seiner 7. Symphonie - nur noch die "Fünfte" auf dem Programm, wieder mit dem Bruckner Orchester Linz, diesmal unter Stanislaw Skrowaczewski (24. 9. Basilika St. Florian). Die ursprünglich angesetzte und seit Monaten ausverkaufte Aufführung von Bruckners "Achter" durch die Wiener Philharmoniker unter Nikolaus Harnoncourt wurde ohne nähere Angabe von Gründen vom Dirigenten wieder abgesetzt. Stattdessen wird nun Smetanas Zyklus "Mein Vaterland" gespielt.