Beim Gastspiel des Pittsburgh Symphony Orchestra im Grafenegger Auditorium war nichts von jener "eiskalten" Perfektion zu verspüren, wie sie amerikanischen Orchestern gerne zugeschrieben wird. Offenbar will Chefdirigent Manfred Honeck kein Orchesterdompteur sein, sondern mit seinen Leuten im schönsten Sinne musizieren.

Dazu kommt die "europäisch" anmutende Rundung des Gesamtklanges, dem sich das schwere Blech kollegial einfügt. Und als ehemaliger Bratschist der Wiener Philharmoniker versteht es Honeck, die Streicher mit Intensität und Wärme singen zu lassen.

Leidenschaft und Spannung

So kam eine Wiedergabe von Tschaikowskis Fünfter Symphonie zustande, die von echter Leidenschaftlichkeit und Spannung erfüllt war. Besonders sympathisch: Auch bei den kraftvollsten Entladungen hatte man nie den Eindruck, hier werde Lautstärke um ihrer selbst willen produziert. Ein effektvoller Marsch von Aram Chatschaturjan als Zugabe besiegelte den Triumph des Orchesters.

Begonnen hatte der Abend mit der österreichischen Erstaufführung eines Quasi-Violinkonzertes von Wolfgang Rihm. Seinem Titel "Lichtes Spiel" wird es mit der Aneinanderreihung lyrischer oder kapriziöser Episoden durchaus gerecht; Anne-Sophie Mutter widmete sich der Solopartie mit all der schlanken Süße ihrer Tongebung. Mendelssohns Violinkonzert hernach geriet ihr allerdings zur Exhibition allzu eigenwilliger Temponahme, so brillant sie auch alle technischen Hürden nahm. Begeisterung auch für sie!

Konzert

Pittsburgh Symphony Orchestra

Manfred Honeck (Dirigent)

Anne-Sophie Mutter (Violine)

Musik-Festival Grafenegg

www.grafenegg.at