In Grafenegg aktiv: Andris Nelsons.
In Grafenegg aktiv: Andris Nelsons.

Musik als Antidepressivum: Dieses Rezept scheint Beethoven angewendet zu haben, als er im von napoleonischen Truppen belagerten Wien sein Fünftes Klavierkonzert schrieb. Das Concertgebouworchester ließ es bei seinem Grafenegger Gastspiel in sattem Glanz erstrahlen, ohne je dick aufzutragen. Solist Yefim Bronfman ertränkte im ersten Satz manchen Lauf im Pedal, konnte in der Folge jedoch einiges wettmachen.

Auch das Eröffnungsstück, Beethovens Ouvertüre zur Schauspielmusik "Die Ruinen von Athen", ließ mit seinem nach außen gewandten Gestus keinen Trübsinn aufkommen. Bei aller Leichtigkeit konnte das Orchester aber auch hier durch Präzision punkten. Unterstützt wurde es vom sehr natürlich agierenden Andris Nelsons, der unter vollem Körpereinsatz den Enthusiasmus der Musiker weckte.


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Website Musikfestival Grafenegg
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Nach so viel Lebensfreude war man zunächst froh, nach der Pause etwas Tragik geboten zu bekommen: Rimski-Korsakows "Scheherazade" behandelt das Schicksal der gleichnamigen Sultansgattin, die der Mordlust ihres Gatten durch exzessives Geschichtenerzählen zu entrinnen sucht. Zu erzählen gab es offenbar viel, auch wenn der Komponist die Geschichten (bekanntlich dauerten sie tausendundeine Nacht) dankenswerterweise etwas abkürzte. Immerhin bot sie den Orchestermusikern Gelegenheit zu zeigen, dass sie auch solistisch über jeden Zweifel erhaben sind.

Zugleich zeigte dieses Konzert - Abschluss des heurigen Musik-Festivals - auch, was Grafenegg zu bieten hat: Gastorchester erster Güte, doch keine übergreifende programmatische Linie. Applaus gab’s trotzdem.

Konzert

Concertgebouworchester
Andris Nelsons (Dirigent)
Musikfestival Grafenegg