Expressive Protagonistin: Schäfer.
Expressive Protagonistin: Schäfer.

"Keineswegs entzückt von dem Ästhetizismus dieses Werkes" zeigte sich Strawinski nach einem Konzert von Schönbergs "Pierrot Lunaire". Dass die hitzigen Streitigkeiten, wer von den beiden Granden denn nun der Modernere sei, mittlerweile abgekühlt sind, lässt sich auch daran ablesen, dass das Klangforum bei der Saisoneröffnung im Theater an der Wien dem "Pierrot" Strawinskis "L’histoire du soldat" zur Seite stellte. Das Ensemble knüpfte damit gewissermaßen an jenes Mini-Festival an, das es im Frühling unter dem augenzwinkernden Titel "Festliche Tage alter Musik" auf die Bühne des Opernhauses gebracht hatte. Strawinskis (hier konzertant gebotenes) Musiktheaterwerk, dessen Titelheld vom Teufel mittels Börsenspekulation zu Reichtum geführt wird, um nach allerlei Verwicklungen zur Hölle zu fahren, wartete mit prominent besetzten Sprechrollen auf: Neben Tobias Moretti und Karl Markovics beeindruckte vor allem ein herrlich schleimiger Michael Maertens als Teufel. Bei all dem Jubel, der den "Stars" zuteil wurde, hätte Strawinskis mit Jazz-Elementen durchsetzte Musik durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Bei Schönbergs "Pierrot Lunaire" war es dann eher der Text, der im Hintergrund blieb: Zwar verwirklichte Christine Schäfer gekonnt den zwischen Sprechen und Singen angesiedelten Gestus dieser expressiven Miniaturen, doch litt die Verständlichkeit mitunter an der akustischen Übermacht des Ensembles. Immerhin lief das Klangforum, das bei Strawinskis unregelmäßiger Metrik phasenweise etwas holprig musiziert hatte, bei Schönberg zu Höchstform auf.