Wien.

Fraulich inszeniert: Patrícia Janečková, Talentshow-Siegerin aus der Slowakei. Šimončík
Fraulich inszeniert: Patrícia Janečková, Talentshow-Siegerin aus der Slowakei. Šimončík
Zu Zeiten von Mozart, Mendelssohn oder Liszt waren sie die Lieblinge der Society: Kinder, die im musikalischen Bereich für ihr Alter außergewöhnliche Leistungen erbrachten. Bedenken hinsichtlich schädlicher Auswirkungen auf die kindliche Psyche kamen erst später auf. Mit der Verbreitung von TV-Talentshows hat das Phänomen Wunderkind nun eine neue Dimension erreicht: Im Vorjahr sorgte die zehnjährige Jackie Evancho mit ihrem Vortrag von Puccinis "O mio babbino caro" in der Sendung "America’s Got Talent" für Aufregung in den Boulevard-Medien. Mittels eigener Homepage, Youtube und Facebook wird das Mädchen mittlerweile professionell als Kinderstar vermarktet.

"O mio babbino caro" gehört auch zum Repertoire der 13-jährigen Slowakin Patrícia Janečková, deren "Debütalbum" (unter anderem mit Arien von Dvořák, Mascagni, Rossini) am Montag im Radiokulturhaus präsentiert wurde.

Verfällt nun auch die Bastion des seriösen Musikjournalismus dem Wunderkind-Hype? Keineswegs, wie sich alle Beteiligten zu versichern bemühen. Die da sind der Vater und Manager des Mädchens, Moderator Otto Brusatti und, als Duettpartner und "Pate", Staatsoper-Ensemblemitglied Adam Plachetka. Patrícia, die 2010 den slowakischen "Talentmania"-Wettbewerb gewann, habe von sich aus den Wunsch geäußert, Opernsängerin zu werden.

Figurbetont fotografiert


Tatsächlich macht das Mädchen erst einmal den Eindruck einer ganz normalen 13-Jährigen. Hört man sie singen, kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen: Patrícia Janečková verfügt tatsächlich über Ansätze einer "erwachsenen" Technik, die ihrer Stimme etwas frappierend Unkindliches verleihen. Aber ist nicht gerade die Illusion, es handle sich um gar kein Kind, sondern schon um eine fertige Künstlerin, die Wurzel des Wunderkind-Übels?

Im CD-Booklet wird die 13-Jährige im figurbetonten Kleid als Erwachsene präsentiert. Sind die Inszenierungen von Weiblichkeit schon im "normalen" Musikbusiness bedauerlich, so bekommt das Ältermachen eines Kindes mittels Make-up und Stöckelschuhen noch eine bedeutend bedenklichere Komponente.

Zwar betont der Vater, man wolle karrieretechnisch nichts überstürzen und das Kind nicht der Medien-Hydra zum Fraß vorwerfen, noch durch das Studium wenig kindgerechter Partien seine Stimme kaputt machen. Angesichts der Präsentation kann man sich gewisse Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Äußerung jedoch nicht verkneifen.